…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 27. März 2018

 

 

Der Wahlkampf beginnt – Ich weisz, es ist noch ueber ein Jahr hin bis zum 13. Mai 2019, und es sind nur Zwischenwahlen fuer den Senat. Rodrigo Roa Duterte bleibt Praesident bis 2022, doch da ich 2016 von dessen Wahl total ueberrascht wurde und mich dadurch erst fuer die hiesige Politik zu interessieren begann, will ich diesmal besser und zeitig vorbereitet sein – worauf?

Der Senat hat 24 Sitze, von denen 12 alle drei Jahre neu besetzt werden. Die 2016 gewaehlten Senatoren bleiben im Senat. Das sind, nach Anzahl der erhaltenen Stimmen geordnet:

Franklin Drilon, Joel Villanueva, Tito Sotto, Panfilo Lacson, Richard Gordon, Juan Miguel Zubiri, Manny Pacquiao, Francis Pangilinan, Risa Hontiveros, Win Gatchalian, Ralph Recto, Leila de Lima.

Von der Wiederwahl sind ausgeschlossen, weil bereits einmal wiedergewaehlt:

Loren Legarda, Francis Escudero, Gregorio Honasan, Antonio Trillanes.

Die Wiederwahl waere moeglich fuer die 2013 gewaehlten, wenn sie das denn anstreben:

Grace Poe, Cynthia Villar, Aquilino Pimentel, Nancy Binay, Sonny Angara, JV Ejercito, Bam Aquino.

Als neue Kandidaten sind im Gespraech, soweit mir die Namen schon einmal untergekommen sind:

Imee Marcos (Gouverneurin von Ilocos Norte), Pia Cayetano (Schwester des Auszen-Ministers), Rodolfo Fariñas (Mehrheits-Sprecher des Hauses), Reynaldo Umali (Vorsitzender des Rechts-Ausschusses), Bong Go (Assistent des Praesidenten).

Ansonsten brodelt die Geruechte-Kueche, und wer tatsaechlich antritt, werden wir naechstes Jahr sehen. Die Kandidatur zum Senat ist landesweit, jeder Waehler kann bis zu 12 Namen ankreuzen. Die 12 Kandidaten mit den meisten Stimmen kommen zu den 2016 gewaehlten Senatoren hinzu.

Mich interessiert, wie sich die Lager formieren, und da sticht mir in’s Auge, dass Francis Pangilinan, Praesident der Liberalen Partei, nun eine starke Opposition aufbauen will, eine “resistance coalition”, um dem “Abgleiten in Autoritarismus und anti-demokratische Herrschaft zu widerstehen”. Sie wollen mit anderen Gruppen zusammenarbeiten, um EJKs (Extra Judicial Killings), dem Missbrauch der Menschenrechte und der Aushoehlung der Souveraenitaet in der West-Philippinischen See entgegenzuwirken.

Nun, die “Resistance” ist mir ein Begriff aus der Zeit, als deutsche Soldaten Frankreich besetzt hatten. Den Unterschied zwischen dem besetzten Frankreich und den heutigen Philippinen sehe ich darin, dass damals bis auf ein paar Kollaborateure 100% der Franzosen hinter der “Resistance” standen, waehrend hier und heute 80% der Filipinos hinter dem vermeintlich “autoritaeren Herrscher” stehen, dem sich die Liberale Partei widersetzen will.

Ich weisz nicht, ob es eine gute Idee ist, sich das auf die Fahne zu schreiben. Hier offenbart sich eher die Einfallslosigkeit des Gelben Kults, der seine Stimmen einst aus dem Widerstand gegen den Diktator Ferdinand Marcos gewann, dem aber nichts Neues einfiel, als der boese Mann auszer Landes gejagt und verstorben war. Gut, einen Aufreger gab’s, als Duterte dessen nachtraegliche Beisetzung auf dem Heldenfriedhof gestattete, aber auch da ist inzwischen Gras drueber gewachsen. Haben die Liberalen wirklich keinen eigenen Einfall, als nur gegen jemand zu sein?

Zum Teil ist dies der Tatsache zuzuschreiben, dass hier in den Philippinen – auszer den Kommunisten, aber die koennen wir gleich vergessen – keine Partei tatsaechlich ein Programm hat. Auch Dutertes PDP-Laban lebt mehr vom Image des “Law and Order”-Mannes an ihrer Spitze, als von einem Konzept. Und da stellt sich mir die Frage, ob das nicht eh eine Tendenz der Zeit ist. Kann man z.B. in Deutschland die Programme von SPD und CDU unterscheiden? Am Ende sagen sie alle dasselbe, und so gewinnt das bekannteste Gesicht. In Deutschland kam niemand gegen Angela Merkel an bei der lezten Wahl, aber ich will hier im Land bleiben. Wer soll gegen Duterte ankommen?

Will der Gelbe Kult mit einem Benigno Aquino beeindrucken, der neben Mamasapano nun auch noch Dengvaxia am Hals hat? Soll das die wegen Verbindung zum Drogenhandel verhaftete Leila de Lima sein, die in der auslaendischen Presse gern als “staunchest critic – standhafteste Kritikerin” des Praesidenten apostrophiert wird? Oder – ja, wer? Wer ist ueberhaupt Francis Pangilinan?

Es geht nicht um Populismus. Das ist eh nur ein Vorwurf, den Parteien machen, deren Programme so gleichgeschaltet sind, dass man sie wirklich nicht mehr auseinanderhalten kann. Menschen waehlen Menschen, keine Programme. Ich zitierte letzten Samstag Adam Garrie, der mit Blick auf den “modernen Revolutionaer” Duterte schrieb, “…in heutigen Zeiten sind es Politiker mit einer starken und bestimmten Vision, die faehig sind Dinge zum Besseren zu aendern.” Duterte zog gegen Drogen und Korruption ins Feld und gewann. Und in den USA hat Donald Trump die Wahl gewonnen, nicht weil er gegen Hillary Clinton war, sondern weil er “America great again” machen wollte. Ob Trump das, oder mit seiner chaotischen Politik doch eher das Gegenteil schafft, soll hier nicht thematisiert werden, aber die Wahl hat er gewonnen.

Wohin will Francis Pangilinan mit der “Resistance”? Es soll gegen die EJKs gehen – will er als Nachfolger von Trillanes eine weitere Klage beim ICC (International Criminal Court) einreichen? Er will die Souveraenitaet der West-Philippinischen See verteidigen – will er Xi Jinping den Haager Schiedsspruch von 2016 um die Ohren hauen und China den Krieg erklaeren?

Mit solchen Phrasen kann er Schlagzeilen in der Presse machen, die eh gegen Duterte ist, aber damit kann er keine Wahl in den Philippinen gewinnen.

Also – wer wird’s?

Eine “Was waere wenn?”-Umfrage der SWS (Social Weather Stations) vom Dezember 2017 ergab diese Reihenfolge nach Anzahl der Stimmen geordnet:

Grace Poe, Cynthia Villar, Aquilino Pimentel, Nancy Binay, Pia Cayetano, Sonny Angara, Jinggoy Estrada, (Bongbong Marcos), (Sara Duterte), Lito Lapid, JV Ejercito, Erwin Tulfo.

Das waeren die 12 mit den meisten Stimmen, wobei ich Bongbong Marcos und Sara Duterte in Klammern gesetzt habe, weil die inzwischen erklaert haben, nicht fuer den Senat kandidieren zu wollen.

Nach der SWS-Umfrage wuerden von den Plaetzen 13 und 14 dann nachruecken:

Mar Roxas, Bam Aquino.

Die Frage ist jedoch, ob sie sich gegen damals noch nicht genannte Kandidaten durchsetzen koennen:

Imee Marcos, Rodolfo Fariñas, Reynaldo Umali, Bong Go.

Warten wir’s ab!



Gemaesz “ManilaBulletin”, “PhilStar”, “Wikipedia” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

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