…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 13. März 2018

 

Das ist Plastik… – …stell das aus,” schimpfte meine Frau gestern, “ich will das nicht hoeren.” Sie sasz drauszen auf der Bank vor offenem Fenster, ich im Haus auf dem Sofa beim Fenster, als “CNNPhil” die Erklaerung von Noch-Oberste Richterin Maria Lourdes Sereno an der Diliman-Universitaet brachte, die mitteilte, dass sie der Ruecktritts-Forderung von Justiz-Verbaenden nicht nachkommt. “Plastik” ist fuer meine Frau alles, was gekuenstelt oder verlogen ist. Ihre gute Erziehung verbietet ihr, Worte zu benutzen, die Praesident Duterte an der Stelle gewaehlt, und die die Presse im Druck durch entsprechend viele ***-chen wiedergegeben haette.

CNNPhil” und “GMANews” uebertrugen beide eine Senats-Untersuchung unter Vorsitz von Senator Richard Gordon zu den finanziellen Verlusten durch Schmuggel beim Zoll. Ab kurz nach 10 Uhr wurde dann als zweites Bild ohne Ton die Versammlung in Diliman eingeblendet. Dort erschien Sereno, setzte sich an einen Tisch, und um sie herum standen vorwiegend Damen in weiszen Kleidern mit einem violetten Schal ueber die Schultern gehaengt, und verlasen eine nach der anderen etwas, was jeweils beklatscht wurde. Wie eine Sphinx mit unbewegtem Gesicht liesz Sereno das um sich herum geschehen. Als diese Veranstaltung beendet war, von der man mangels Ton nicht wusste, ob das religioese Erbauung oder Treueid ihrer Lehnsdamen war, bekam Sereno das Mikrofon um 11 Uhr, und dann schalteten die TV-Sender auch Bild mit Ton dazu. Senator Gordon verschwand vom TV, und die als “Press Briefing” deklarierte Zusammenkunft begann. Sereno las im Sontagsschul-Ton eine Erklaerung vom Blatt, und das war der Punkt, als meine Frau eingriff. War nicht so schlimm. Zwar begann Sereno in Englisch, erlaeuterte aber grad was in Tagalog und wechselte danach wieder ins Englische zurueck und schloss mit den Worten, dass sie ihre Sache Gott dem Herrn uebergeben habe, der werde es schon richten.

Ich weisz, dass man ueber Religion nicht spottet, damit kaeme ich bei meiner Frau auch nicht durch, aber wer so austeilt, dass Rechte und Menschen ihr schnuppe sind und sie auf ihren “eigentlichen Herrn” setzt, muss auch einstecken koennen. Sereno hat einen religioesen Dachschaden, und ich weisz nicht, was mit denen los ist, die nach ihren Schlussworten – Gott werde es schon richten – in Jubelrufe ausbrachen und sich jauchzend in den Armen lagen. Nein, Sereno wird nicht zuruecktreten, sie will ihren Tag im Senat.

Was will sie da?

Das fragen sich auch andere.

Yen Makabenta schreibt in seiner Kolumne in “The Manila Times”, der angebliche Kampf Serenos um die “Unabhaengigkeit der Justiz” sei “die letzte Luege von CJ [Chief Justice] Serenos Amt.” Wenn sie die Justiz von politischem Einfluss fernhalten will – warum will sie von Politikern gerichtet werden? Traut sie ihren unabhaengigen Richter-Kollegen nicht? Ihr Problem ist, wenn die sie “quo warranto” rausschmeiszen, bekommt sie keine Buehne, in der sie sich als Opfer des verhassten Duterte stilisieren kann. Sereno betreibt Oppositions-Politik, wenn sie dort auf die Buehne kommen und sagen will, dass die Justiz sich von der Politik fernhalten soll. Sie widerspricht sich selbst, und deshalb sollte man ihr diese Buehne verweigern und sie “quo warranto” abservieren – bitte benutzen Sie den Hinterausgang.

Der Leitartikel der “Manila Times” befindet, dass Sereno in einer Welt eigener Einbildung lebt. Und als Hintergrund erinnert der Leitartikler, dass im Mai 1989 Mr. Ehei Aoki, ein Assistent des japanischen Premiers Takeshita, Selbstmord beging, als sein Dienstherr zum Ruecktritt gezwungen wurde. Ein Magazin kommentierte damals: “Dies zeigt, warum Japaner Filipinos ueberlegen sind… In Japan ist die seichteste Verbindung zu Unregelmaeszigkeiten betreffs Integritaet und Ehre Grund genug, sich von einem Regierungs-Posten zurueckzuziehen, besonders in hohen Positionen. Nicht so in diesem Land. Egal wie offensichtlich und klar der hohe Beamte seinen Posten zu persoenlichem Vorteil genutzt hat, tausend Bueffel koennten ihn nicht von seinem Posten zerren. ‘Bringt Beweise, beweist das!’ ist die Standard-Antwort. Da liegt der grosze Unterschied. Der Japaner setzt seine Ehre an die erste Stelle, der Filipino sein Geld.” Dass gestern nahezu die geschlossene Justiz des Landes Sereno anflehte, sich und der Justiz die Schande einer Amtsenthebung zu ersparen, erreichte sie nicht. Bei ihrer Gegendemonstration – ein Damen-Grueppchen mit ein paar eingestreuten Herren in einem Raum zusammengepfercht – erklaerte Sereno: “Ich werde nicht zuruecktreten.” Und der Leitartikler schlieszt: “Sie sagte, sie sei entschlossen fuer die juristische Freiheit zu kaempfen gegen gesetzlose Abenteurer, die versuchen, das Recht zu beugen. Dann intonierte sie melodramatisch: ‘Es gibt keine andere Wahl fuer das philippinische Volk.’ Keine andere Wahl? Richterin Sereno, glauben wir, muss in einer eigenen Welt leben.



Die Entschuldigung – Bereits gestern zitierte Rigoberto Tiglao in seiner Kolumne in “The Manila Times” Adam Gerrie, der auf der Webseite “Eurasia Future” feststellte, dass der Hohe Kommissar fuer Menschenrecht Zeid Ra’ad al Hussein den Philippinen eine formelle Entschuldigung schuldet fuer seine abscheuliche Bemerkung, dass der philippinische Praesident sich einer psychiatrischen Untersuchung unterziehen moege. Ich hab das nicht aufgegriffen, weil das fuer mich Schnee von gestern war. Auszen-Minister Alan Peter Cayetano hat die passende Antwort gegeben, ich schrieb dazu am Sonntag, und Tiglaos Kolumne kam mir eher als Nachkarten vor. Okay, Nachkarten gehoert zum Spiel, aber man muss das nicht selbst auch wieder kommentieren. Das ist so wie auf einen guten Witz noch einen draufsetzen: das ist fad, weil es den ersten Witz nur herunter macht.

Und warum stocher ich dann nochmal drin rum?

Es geht um das “Plastik” meiner Frau. Eine solche Entschuldigung, wuerde der Hohe Kommissar dazu gezwungen – was waere die schon wert? Jeder weisz, dass sie nicht ehrlich ist. Der Kerl wurde dazu verdonnert. Entschuldigungen, die “von Herzen kommen”, sind eine Sache des Augenblicks. In dem Moment, in dem einem Unrechtes unterlief und einem der angerichtete Schaden bewusst wird, weisz man auch zugleich, dass man nur jetzt und hier die Gelegenheit hat das auszuraeumen, wenn man sich sofort und rueckhaltlos entschuldigt. Das wird anerkannt und angenommen, wenn der Schaden ueberhaupt gut zu machen ist. Alles, was spaeter kommt, ist “Plastik”.

Damit bin ich bei der Frage nach dem “Marmor” – was ist nicht kuenstlich oder affektiert, was ist so echt wie der “David” von Michelanglo? Das wird jetzt in der westlichen Welt nicht gut ankommen, aber da gibt es nur eine Antwort: Praesident Rodrigo Roa Duterte, und das laesst sich belegen.

Der Hohe Kommissar kann sagen, was er will, Tatsache ist, dass Cayetano lengst mit dem UN-General-Sekretaer, al Husseins Chef, gesprochen hat, und dass der den Philippinen entgegenkommt und eine Liste von Bericht-Erstattern anbietet, in der der Name von Agnes Callamard nicht vorkommt. Und die Anklaegerin Fatou Bensouda beim ICC (International Criminal Court) findet entweder selbst heraus, dass sie gar nicht zustaendig ist, was fuer ihren Sachverstand sprechen wuerde, oder sie zettelt ein sinnloses Verfahren an, denn das ICC ist auf die Mitarbeit der Staaten angewiesen – es gibt keine ICC-Polizei. Wuerde die PNP (Philippine National Police) einem Ansinnen des ICC entsprechen, den Praesidenten des Landes auszuliefern? Man muss alberne Fragen nicht beantworten, und man muss auf leere Drohungen nicht reagieren. Arne Lietz, ein bedeutungsloser EU-Parlamentarier, drohte letztes Jahr den Philippinen: “Wenn Menschenrechts-Standards nicht eingehalten werden, dann koennte das Konsequenzen haben fuer die Beteiligung der Philipppinen an den besonderen Handelsbedingungen der EU.” Man muss ihm zu Gute halten, dass er “koennte” und nicht “wird” gesagt hat, denn nun bereinigt die EU ihre Vertraege mit den Philippinen und mischt sich nicht weiter auf diese Weise in die inneren Angelegenheiten des Landes ein, weil sie gesehen hat, dass sie sonst auf “Marmor” beiszt.

Diese Menschen-Rechthaberei wird nach und nach ausgehoehlt von der marmornen Welt. Denn wenn man an den Ikonen des Gelben Kults kratzt – Aquino, de Lima, Sereno, Bautista, Morales – dann blaettert der Lack ab, und uebrig bleibt “Plastik”.



Gemaesz “CNNPhil”, “GMANews”, “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “PhilStar”, “ManilaStandard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.