…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 09.März 2018

 

Sereno luegt – Es war interessant zu beobachten, wie im TV der Rechts-Ausschuss des Hauses unter Leitung des Abgeordneten Reynaldo Umali mit 38:2 Stimmen zu dem Schluss kam, dass man einen “hinreichenden Tatverdacht ~ probable cause” gegen Noch-Oberste Richterin Maria Lourdes Sereno habe, um das Amtsenthebungs-Verfahren durchzuziehen. Denn zur gleichen Zeit – “CNNPhil” blendete live ein zweites Bild aus dem Manila Hotel ein – sprach Sereno am Welt-Frauentag vor der PWJA (Philippine Women Judges Association) und sagte: “Der Rechts-Ausschuss hat mir mein Recht verweigert den Zeugen gegenueber zu stehen und sie ins Kreuzverhoer zu nehmen.

Das ist eine Luege.

Am 22. November 2017 erschienen zur Eroeffnung des Ausschusses zur Untersuchung der Vorwuerfe des Anwalts Larry Gadon zwar die Anwaelte der eingeladenen Obersten Richterin Sereno, nicht aber sie selbst. Als den Anwaelten kein Recht gegeben wurde, in die Diskussion einzugreifen, baten die um Erlaubnis sich zu entfernen.

Gestern beklagte Sereno sich, ihr wurde das verfasste Recht verweigert, den Anklaegern “face to face ~ von Angesicht zu Angesicht” zu begegnen. Von wegen! Sie war eingeladen und hat gekniffen, und das weisz jeder hier im Land.

Nach Serenos Rede gestern trat Richterin Teresita de Castro, die die Eroeffnungs-Ansprache gehalten hatte, an das Redner-Pult und sagte: “Ich bedaure es, dass die Oberste die Gelegenheit genutzt hat, eine Sache zu diskutieren, die gerichts-anhaengig ist. Wir haben ihr alle Hoeflichkeit erwiesen, und ich hatte ehrlich gehofft, dass sie nicht ueber die Sache spricht, die vor Gericht anhaengig ist.” De Castro lehnte es ab, Sereno wie geplant ein Erinnerungs-Praesent zu ueberreichen. Das erledigte Richterin Estela Perlas Bernabe dann an ihrer Stelle.

Spaeter sah ich im TV noch einen Live-Schnipsel, wie Sereno in einer Traube von Reportern froehlich laechelnd und rundum Fragen beantwortend das Hotel verliesz. Mir faellt da der Unterkiefer runter, wie Leute so dreist luegen und dann wie die Sieger abmarschieren koennen. Ich koennte das nicht, aber um mich geht’s ja auch nicht.

Die Vize-Vorsitzenden des Justiz-Ausschusses schreiben nun ihren Bericht fuer das Haus, und am 14. Maerz stimmt das Plenum ab, ob die Sache vor den Senat geht, der die Gerichtsbarkeit in der Sache hat. Ein Drittel der Stimmen ist dafuer erforderlich.

Die “Straits Times” bringt zu der Angelegenheit einen Artikel von “Agence France-Press” unter der Ueberschrift “Oberste Richterin der Philippinen schwoert zu kaempfen, wo Duterte und seine Alliierten sie rauszuschmeiszen versuchen”. Sereno wird zitiert mit den Worten: “Alle Arten von Luegen, Drohungen, Schikane und Druck wurden mir in den Weg geworfen, doch ich werde nicht aufgeben.” Sie kaempfe fuer “unsere Zukunft als freiheits-liebendes Land” und fuer die “juristische Unabhaengigkeit”. Klar, wenn sie dafuer ist, werden ihre Gegner wohl dagegen sein, und so werden nochmal die Toten in Dutertes Drogenkrieg aufgezeahlt, und auch fehlt der Hinweis nicht, dass die Duterte-Kritikerin Leila de Lima im Gefaengnis sitzt. Da “Agence France-Press” die westliche Presse fuettert, wissen wir also schon, wie das dort in den Zeitungen ankommt – tapfere Frau gegen boesen Diktator.

Interessanter war da ein Live-Interview in “CNNPhil”, das Pinky Webb um 18:30 Uhr mit Maria Lourdes Sereno fuehrte. Sereno verfolgt die Strategie, sich selbst nicht als Ziel der Amtsenthebung zu sehen, sondern es geht einzig und allein um die “juristische Unabhaengigkeit”, fuer die sie mit allem Einsatz kaempft: “Ich habe schon einen hohen Preis fuer das gezahlt, an was ich glaube.” Von dieser Position aus blockte Sereno alles ab, was Pinky Webb – das rechne ich Webb als Journalistin hoch an, auch wenn ich oft ueber das “Damenkraenzchen” bei “CNNPhil” gelaestert habe – aus ihr herausholen wollte, was nicht in das Bild passt. Ob sie sich nicht allein fuehlt, in ihrem Kampf fuer die “juristische Unabhaengigkeit”? Nein, wenn man an eine Sache glaubt, muss man da durch. Ob sie sich vorstellen kann, sollte sie dies ueberstehen, wieder mit den Kollegen im Obersten Gericht zusammenzuarbeiten? Webb wies besonders auf Teresita de Castro hin. Antwort: die Zeit heilt alle Wunden, Pinky, Herzen brechen, Herzen heilen, Freundschaften zerbrechen, Freunde versoehnen sich, ich konzentrier mich auf meine Arbeit, und ich bin nur dem Volk gegenueber verantwortlich, und was ich da schon alles gemacht habe. Das Volk wird ueber mich urteilen – (das war jetzt von mir nacherzaehlt, kein woertliches Zitat).

Das mit dem Volk sieht Sereno nicht ganz richtig, der Senat wird urteilen. Mit dem Volk hat sie nichts zu tun. Sie wurde ja nicht gewaehlt, sondern von jemandem ernannt. Daher faende ich es auch sehr passend, wenn diese Ernennung verworfen, und sie von ihren Kollegen “quo warranto” einfach vor die Tuer gesetzt wird.

Diesen Eintrag hatte ich gestern bis hierhin fertig geschrieben, als ich am Abend um 21:00 Uhr Maria Lourdes Sereno noch einmal im Interview mit Jessica Soho in “GMANews” sah. “State of the Nation” ist abends fuer meine Frau und mich stets der TV-Tagesschluss. Und da fiel mir auf, dass auch Jessica Soho bei allem Bemuehen Sereno beizukommen, nicht die mindeste Chance hatte auch nur in deren Naehe zu gelangen – und auch hier ein Lob an Soho, die sich wirklich um die Sache bemuehte und nicht nur den Stichwort-Geber abliefern wollte.

Doch an Sereno perlt alles ab, und das beunruhigte mich die Nacht ueber, bis mir heute morgen so ganz langsam klar wurde, was da laeuft. Sereno ist eine religioese Spinnerin, so wie die Zeugen Jehovas, die wir hier neulich am Tor hatten. Wenn man sich mit ihnen auf ein Gespraech einlaesst, hat man verloren. Die haben auf alles eine Antwort, und das kommt ohne Luft zu holen in diesem salbadernden Ton, den Sereno auch drauf hat – sie ist eine “Born Again Christian”. Das fiel mir schon in ihrer Rede vor der PWJA auf, nur hatte ich da noch nicht das treffende Wort auf der Zunge. Die reden nicht, die lassen sich auf kein Gespraech ein, die sprechen in Zungen. Alles, was man da einstreut, ist ihnen nur Stichwort fuer die naechste Schleuse ihres religioesen Wahns, aus der sich dann ein weiterer Schwall ueber den tumben Zuhoerer ergieszt, der eigentlich meinte, sich in einem Gespraech mit einem normalen Menschen zu befinden.

Das Gegenteil ist der Fall, und hier muss ich jetzt das psychologische Gutachten zu Maria Lourdes Sereno noch einmal zitieren, was ich am 30. November 2017 schon getan hatte: “Dramatisch und emotional, sie tritt energisch auf, laechelt stets und ist nett, aber mit religioesen Vorbehalten in fast allen entscheidenden Aspekten ihres Lebens.

Wissen Sie, Jessica – (ich erzaehl das jetzt in eigenen Worten nach, wie Sereno, von Soho auf Religion angesprochen, reagierte) – wissen Sie, Jessica, die Freiheit des Glaubens ist das Wichtigste, was die Verfassung uns gibt, und die beginnt mit den Worten “We, the sovereign Filipino people, imploring the aid of Almighty God, in order to build a just and humane society and establish a Government that shall embody our ideals and aspirations…

Also scheint nicht die “Unabhaengigkeit der Justiz”, sondern ihr verquaster Glaube das zu sein, worum es ihr an erster Stelle geht. Mit solchen Leuten kann man nicht reden, denen kann man nur die Tuer vor der Nase zuknallen. Anderes verstehn die nicht. Und Sereno wird das auch erst begreifen, wenn man sie vor die Tuer gesetzt hat, und selbst da hab ich meine Zweifel. Klar ist mir aber, warum sich ihre Kollegen beim Obersten Gericht einig waren, dass man mit ihr nicht arbeiten kann. Und da gibt es keinen Weg zurueck, auch wenn Sereno “ihren Tag im Senat haben will” und meint dort siegen zu koennen.

Die Frau gehoert in kein oeffentliches Amt, sondern in eine geschlossene Anstalt.

Von da aus versteht sich dann auch der wahre Sinn ihrer Rede vor der PWJA, in der sie sich ueber die “Gute Richterin” ausliesz: “Wenn sie boeswilligen Behauptungen ausgesetzt ist, antwortet die Gute Richterin mit der Wahrheit. Wenn sie schikaniert wird, bewahrt die Gute Richterin Haltung. Wenn sie gedraengt wird, dem Boesen nachzugeben, dann sagt die Gute Richterin: ‘Nein, das mach ich nicht.’ Stets und zu jeder Zeit kaempft die Gute Richterin um jeden Zentimeter, den das Boese zu beanspruchen versucht, und all das mit dem Glauben, dass am Schluss das Gute triumphiert, und alles Boese sein Ende findet.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, dann kommt dieser schweflige Nachgeschmack heraus: da spricht der Teufel.



Ene, mene, muh… – …und aus ist Callamard. Wie der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, gestern erlaeuterte, ist Auszen-Minister Alan Peter Cayetano im Gespraech mit UN-General-Sekretaer Antonio Guterres, einen Bericht-Erstatter zur Untersuchung der groszen Zahl an Toten im Drogenkrieg in den Philippinen zu finden, welche(r) nicht Agnes Callamard heiszt. Nach ihrem Besuch ohne Einladung im Mai 2017, bei dem sie sich in der Sache aeuszerte – was die Harmlosigkeit von Drogen angeht – ist die hier nicht mehr willkommen. Im Gespraech ist eine Liste, die die UN vorlegen wird, aus der die Philippinen dann genehme Bericht-Erstatter waehlen koennen.

Und wo ich grad bei internationalen Beziehungen bin: die EFTA (European Free Trade Association), das sind Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz, oeffnen ihre Tore fuer hoch-qualifizierte philippinische Arbeitskraefte. Auch da setzt sich wohl durch, dass Miteinander-Reden besser ist als Aufeinander-Schimpfen, auch wenn der islaendische Auszen-Minister unbedingt Agnes Callamard auf die Philippinen schicken und nicht selbst herkommen will, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Hazing bei Aegis Juris – Man verliert Juristisches leicht aus dem Auge, weil es oft eben sehr lange unterwegs ist und inzwischen wurden ganze Herden anderer Kuehe durch’s Dorf getrieben.

Also, in der Angelegenheit, dass beim “Hazing” der Aegis Juris-Bruderschaft an der University of Sto. Tomas der Student Horacio Tomas “Atio” Castillo zu Tode gepruegelt wurde, erhebt das DOJ (Department of Justice) nun Anklage gegen 10 Mitglieder der Bruderschaft. Man sieht sich vor Gericht.

Keine Anklage erhebt das DOJ gegen den Dekan der juristischen Fakultaet dort, Nilo Divina, gegen den in den Medien starke Vorwuerfe gemacht wurden im Hinblick auf “vernachlaessigte Aufsichtspflicht”. Man fand gegen ihn keinen “hinreichenden Tatverdacht”, nur “ungenuegende Beweise”.

Die Klagen wurden gestern beim Bezirks-Gericht Manila eingereicht, Kaution wurde nicht empfohlen.



Gemaesz “CNNPhil”, “GMANews”, “Inquirer”, “PhilStar”, “StraitsTimes”, “ManilaTimes”, “SunStar”, “ManilaBulletin”, “ManilaStandard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

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