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…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 08.März 2018

 

Praesident Rodrigo Roa Duterte… – …sprach gestern in Tarlac City zu einem Jahrestag der Provinz. Ich zappte bei “PTV” da rein. Er sagte nichts Neues, schimpfte tuechtig auf den Internationalen Strafgerichtshof, der ihm in “Millionen Jahren” nichts anhaben kann, klagte wie dreckig es Filipinas als OFWs (Oversea Filipino Workers) in einigen arabischen Staaten geht (zum Glueck nannte er die nicht namentlich, sonst gaeb es einen auszen-politisches Desaster), in welchen das Vergewaltigen des weiblichen Personals zu den Vorrechten des Hausherrn gehoert, wiederholte zum x-ten Mal, dass er zuruecktritt, wenn die foederale Verfassung kommt, und erlaeuterte die Gefahren von Shabu, die die Menschen und das Land kaputt machen, anhand der sattsam bekannten Studie der UN, die deren Mitarbeiter selbst nicht kennen, wenn die (wie Agnes Callamard) verbreiten, wie harmlos Drogen sind. Er uebergab die Studie dem regionalen Polizei-Chef, damit der das seinen Leuten verklickert.

Ich kenn das alles schon, und ich frage mich, wieso sehe ich es mir dennoch an, und – viel wichtiger – warum hoeren Filipinos da noch zu, gehen mit und sind begeistert, obwohl die das inzwischen doch auch zur Genuege kennen sollten?

Der Mann ist faszinierend, weil er eben nicht diese maskenhafte Dramatik einer Leila de Lima drauf hat, wenn die sich im Senat ueber irgendetwas aufregte. Bei ihm geht es ganz unaufgeregt zu.

Da vorne steht einer wie du und ich und sagt, was Sache ist. Einfach so.

Man kann nicht besser sein in einem Land, wo keiner sagt, was Sache ist, sondern jeder sagt etwas, von dem er meint, dass der andere das hoeren will. (Es ist ein Missverstaendnis von Auslaendern, dieses hoefliche Entgegenkommen im Gespraech als Luege zu betrachten.)

Der Mann bietet Erholung vom taeglichen Sprach-Laerm, was im Ausland jedoch als unflaetig, krass und unhoeflich verachtet wird. Man schaetzt dort die geschliffenen Luegen der einst herrschenden Klasse, die politisch korrekt bescheiszen.

TROs (Temporary Restraining Orders)… – …einstweilige Verfuegungen sind Praesident Duterte schon laenger ein Dorn im Auge, weil Gerichte sich so in die Politik einmischen, und das kann er nicht gut ab. Was die “Jauchegrube ~ cess-pool” Boracay angeht, so gibt er Innen-Minister Eduardo Año und Tourismus-Ministerin Wanda Teo 6 Monate Zeit dort aufzuraeumen, und dazu will er den Notstand ausrufen. “In der Zwischenzeit, wenn ich in Boracay waere, oder ihr Jungs dort, das Beste waere mit der Regierung zusammen zu arbeiten und euch mit der Reinigung zu beeilen. Denn solange die Scheisze da weiter aus den Rohren in’s Meer laeuft, geb ich euch keinen Tag so weiter zu machen.” Und er warnt an der Stelle eben Gerichte, ihm nicht mit TROs in’s Handwerk zu pfuschen. Das wuerde “die Situation verschlimmern”, weil das zum “Vertrauensverlust” fuehrt. Wenn Arbeiten liegen bleiben, weil ein Gericht sich Zeit nimmt, die Sache zu betrachten, dann springen Geldgeber ab, Arbeiter suchen sich einen neuen Job, und am Ende steht irgendwo eine Ruine als Mahnmal vertaner Gelegenheiten.

So wollen Año und Teo Boracay im Juni und Juli diesen Jahres schlieszen, weil sich besser arbeiten laesst, wenn keine Touristen auf der Insel sind. Das betrifft auch Betriebe, die nicht beanstandet wurden, eben um ungestoert arbeiten zu koennen. Senats-Praesident Aquilino Pimentel steht hinter der Entscheidung und verweist auf das Beispiel Thailands. Dort wurde die Insel Koh Tachai im Mai 2016 aus aehnlichen Gruenden fuer fuenf Monate geschlossen, “bevor der Schaden irreparabel ist”.

Doch bleiben wir bei den TROs… – …fuer einen Moment. Als Meisterin damit Politik zu machen, erwies sich die ehemalige Justiz-Ministerin, nun wegen Drogen-Delikten angeklagte und inhaftierte Senatorin Leila de Lima, wie Rigoberto Tiglao am Montag in seiner “Dobermann-Kolumne” schrieb. Sie missachtete eine TRO des Obersten Gerichts, die inhaftierte Ex-Praesidentin Gloria Macapagal-Arroyo zur Behandlung in’s Ausland zu lassen, weil darin ein technischer Fehler war. Den nutzte sie, um von einem Gericht in Pasay einen Haft-Befehl gegen Arroyo zu erwirken, der die TRO gegenstandslos machte, und sie konnte die Benigno Aquino verhasste Arroyo am 18. November 2011 am Flughafen verhaften lassen. Der Hinweis auf diesen Fehler in der TRO kam – so Tiglao – von der beigeordneten Richterin am Obersten Gericht Maria Lourdes Sereno, “Aquinos Dobermann”, die nun selbst vor dem beruflichen Aus steht.

Kein Wunder, dass de Lima ihrerseits den General Staatsanwalt Jose Calida verdammt, Sereno “quo warranto” los zu werden, denn “Wachhund” de Lima bereitet sich darauf vor, die Kollegin aus Aquinos Hunde-Staffel im Senat zu verteidigen, wenn dort die Amtsenthebung verhandelt wird. Das moechte sie nicht missen, wo doch Senats-Praesident Pimentel schon eine Richter-Robe fuer sie geordert hat und dazu erklaert: “Um zu zeigen, dass wir sie fair behandeln, haben wir eine Robe geordert.” Nun, ob sie die braucht, haengt an seidenen Faeden: wird Sereno “quo warranto” entfernt, kommt es zu keiner Senats-Verhandlung, und die Robe waere eine unnuetze Geld-Ausgabe, fuer die Pimentel sich rechtfertigen muss. Kommt es dazu, liegt es an der Regierung, ob die de Lima aus der Haft laesst, um die Robe ueberzustreifen und im Senat bei der Verhandlung das Wort fuer Sereno zu ergreifen.

Ich sehe da schwarz, denn was de Lima dort von sich geben wird, wenn sie das Wort hat, laesst sich ablesen an dem, was sie jetzt zu der Verhandlung gegen Renato Corona zu sagen hat, der 2012 mit Hilfe von Aquinos Hunde-Staffel niedergemacht wurde: “Die Verhandlung wurde in der ganzen Welt verfolgt, an deren Ende der damalige Oberste Richter Corona ueberfuehrt wurde fuer spezifische und nachgewiesene Gruende: fuer die Auslassung betraechtlicher Betraege seines Vermoegens in seiner SALN (Statement of Assets, Liabilities and Net worth). … Von 23 Senatoren befanden ihn 20 schuldig, wo nur 16 fuer das Urteil erforderlich waren.” De Lima vergasz dabei zu erwaehnen, dass die 20 Senatoren mit erheblichen Betraegen fuer ihre Budgets belohnt wurden, die Corona verurteilten, waehrend jene, die ihn frei sprachen – “Bongbong” Marcos, “Joker” Arroyo und Miriam Defensor-Santiago – leider leer ausgingen.

De Lima wuerde die Buehne nutzen, um in groszer Robe – das Bild muss man sich mal vorstellen: eine im Zusammenhang mit Drogen Inhaftierte in Richter-Robe gewandet und mit bekannt pompoeser Geste und diesen Kettchen am Handgelenk, die wie eine Klapperschlange rappeln, spricht vor dem Senat fuer eine Amts-Erschleicherin, die von Kollegen schon abgeschrieben ist. Also, de Lima wird dort gegen Duterte reden und sich vor der Welt als das unschuldige Opfer des “erklaerten Serien-Moerders” darstellen, und – ja, sie wird natuerlich auch ein, zwei gute Worte fuer Sereno einlegen: eine Kraehe hackt der anderen schlieszlich kein Auge aus.

Ich dachte immer, dass Samuel Becketts “Warten auf Godot” das Parade-Stueck des absurden Theaters ist. Ich kann mir vorstellen, wenn es denn dazu kommt, dass de Lima im Senat fuer Sereno donnernd das locker in den Schatten stellt.

Praesident Rodrigo Roa Duterte… – …sprach am Montag zu der dritten Fuhre ehemaliger Kaempfer der NPA (New People’s Army), die von der Armee zu einer Goodwill-Tour nach Manila gebracht wurden. Ich hatte am 8. Februar unter der Ueberschrift “Merienda im Malacañang” ueber Dutertes Rede zu der ersten Fuhre geschrieben, und ich nehme stark an, dass auch die zwischenzeitlich zweite und nun dritte Fuhre Aehnliches zu hoeren bekamen. Duterte ist in seinen Reden konstant, siehe oben zur Rede in Tarlac, aber darum geht es hier nicht.

Der eigentliche Adressat dieser Reden ist der Terrorist Jose Maria “Joma” Sison, der in Holland in vollen Zuegen Asyl gemieszt und versucht Duterte von dort aus schlecht zu machen. So sagt Sison zu den “angeblichen Ueberlaeufern”: “Barangay-Offizielle werden ueberredet oder gezwungen, Leute zu Zusammenkuenften einzuladen. Die Leute muessen ein Papier unterschreiben, dass sie teilgenommen haben. Auf der Rueckseite des Papiers aber steht der Text ihrer Aufgabe des Kampfes.” Zur Belohnung fuer die Unterschrift bringt man sie dann nach Manila und dort werden sie als “Ueberlaeufer” praesentiert usw. usw.

Wenn man solche Gegner hat wie Duterte – Leila de Lima, “Joma” Sison – die erlogene Traumwelten fuer die wirklich wahre Welt nehmen, wie verhaelt man sich dann als Staatsoberhaupt am besten?

Einfach sagen, wie es aussieht, immer wieder, bei jeder Rede, an jedem Ort, vor jedem Publikum. Genau das tut Duterte, und genau das kommt an bei Filipinos, die die Fake-Welten der Aquino-Gang nicht mehr hoeren und sehen koennen.

Seiner heutigen Kolumne in ”The Manila Times” stellt Jojo Robles ein Zitat des US-Dramatikers Arthur Miller voran: “Eine gute Zeitung ist eine Nation, die zu sich selbst spricht.” Das passt auf Duterte: er ist die Nation, die zu sich selbst spricht.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaStandard”, “PTV”, “ManilaBulletin”, “Inquirer” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

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