…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 26. Februar 2018

 

Happy anniversary… – …wuenschte der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, der nun seit einem Jahr inhaftierten Senatorin Leila de Lima. Bei aller Antipathie, die ich der Menschenrechts-Veraechterin de Lima gegenueber empfinde, mag mir das nicht recht gefallen. Man sagt zwar “Wie der Herr, so’s Gescherr”, aber der Diener macht sich zum Affen, wenn er den Stil seines Herrn kopiert. Jeder weisz, dass Roque nicht die Macht hat, sondern nur in ihrem Windschatten operiert und meint, sich diesen Sarkasmus in gleicher Weise leisten zu koennen.

Und das ist nun der andere Gedanke. Was wird aus den Figuren um den Praesidenten, wenn der – was hoffentlich nicht eintritt – morgen tot umfaellt? Es waere auch das Ende meines Blogs, denn was ich ebenfalls im Windschatten der Duterte-Popularitaet locker-flockig erzaehlen kann, wuerde mich bei oppositioneller Herrschaft zum “unerwuenschten Auslaender” machen und zur Ausweisung fuehren, was fuer mich und viel mehr noch fuer meine philippinische Familie eine Katastrophe waere – aber lassen wir die unangenehmen Gedanken. Vielleicht hilft, dass Filipinos mich eh nicht lesen. Es hat ja auch Vorteile, unbekannt zu sein.

Doch zu Leni Robredo. Waehrend die EDSA-Feiern bisher ein Meer von gelben T-Shirts und Konfetti waren, wie ich im “Manila Bulletin” lese, rief die Vize-Praesidentin ihre Landsleute auf, weisz zu tragen, um “Einheit zu zeigen”. Das ist interessant, denn sie ist Vorsitzende der Liberalen Partei, die bisher mit Aquino-Gelb identifiziert wurde. Nun hat aber das Aquino-Image hierzulande gelitten, und dabei ist unerheblich, dass das im Ausland nicht bemerkt wird oder nicht bemerkt werden will. Vanessa Steinmetz hat im “Spiegel” einen unsaeglichen Artikel mit der Ueberschrift “Morde auf den Philippinen: Dutertes blutige Naechte” geschrieben. Sie und Vanessa Vu in der “Zeit”, die mit ihrem ebenso unsaeglichen Artikel im August 2016 zu den Leichen, die sich jede Nacht auf den Straszen in den Philippinen versammeln, sich bei mir einen Namen gemacht hat, glauben an die “funktionierende und lebhafte Demokratie” in den Philippinen unter den Aquinos. Damit sind sie aufgewachsen, und sie lesen, was in dieses Bild passt. Eine philippinische Zeitung haben sie noch nie gesehen – es sei denn den “Inquirer”. Naja, und dann kommt eben sowas dabei raus. Ich hab das frueher auch geglaubt, und da lohnt sich nicht mal ein Leserbrief, aber – bleiben wir bei Robredo.

Wenn die sich nun “Gelb” versagt und “Einheit” bemueht, dann zeigt sie damit mehr “praesidialen Stil”, als wenn sie im Tone einer de Lima gegen den “erklaerten Serien-Moerder” wetterte. Man muss eben wissen, wo man hin will, und das kann kein “Zurueck zu den Aquinos” mehr sein. Dieser Zug ist abgefahren, wie zum Beispiel Rigoberto Tiglao in seiner Kolumne in “The Manila Times” schreibt unter der Ueberschrift “Tatsachen ueber EDSA, die wir damals nicht wussten, die Jahrzehnte vor uns verborgen wurden”. Er steht damit nicht allein. Dante Jimenez, Vorsitzender der VACC (Volunteers against Crime and Corruption) sagte gestern: “Alle Versprechungen von EDSA wurden nicht realisiert. Es war ein Fehlschlag.” In seiner Kolumne im “Manila Standard” mit dem Titel “Eine gestohlene Revolution” schreibt Alejandro del Rosario: “Das Ereignis, das den frueheren Praesidenten Ferdinand Marcos stuerzte und eine gewisse Cory Aquino in die Praesidentschaft spuelte, ist eine untergehende Angelegenheit. Sie ist fuer die meisten unparteiischen Beobachter der Geschichte eine Revolution, die den Hauptfiguren gestohlen wurde, die das angefangen hatten. Der Fuehrer und die Schluesselfigur des Aufruhrs – der fruehere Verteidigungs-Minister Juan Ponce Enrile, der den bewaffneten Aufstand fuehrte – amuesiert sich, dass die Aquinos und ihre gelb gekleideten Unterstuetzer den Ruhm einheimsten…

Man muss wissen, wann eine Sache sich ueberlebt hat, der Mythos verblasst ist, und offensichtlich hat Leni Robredo ein Gespuer dafuer und positioniert sich neu. Auf jeden Fall wuerde sie bei solcher Haltung nicht auf 80 Prozent Ablehnung stoszen, die Leila de Lima oder Antonio Trillanes zu erwarten haetten, kaemen sie durch welchen Umstand auch immer ploetzlich an die Staatsspitze: das gaebe wirklich einen Volksaufstand.

Doch dies sind blosze Gedankenspiele fuer den ungewuenschten Fall, dass dem Praesidenten etwas zustoeszt. Nehmen wir den Gutfall, dass er seine Amtszeit beendet, und ich nehme ihm auch ab, dass er fuer keine Verlaengerung zur Verfuegung steht. Dafuer spricht der nahezu brutale Sarkasmus, den er sich in seinen Reden erlaubt: der schert sich nicht um seinen Ruf und was aus ihm wird. Genau deshalb passt der Ton auch nicht zu Harry Roque, der ja erst noch etwas werden will. Ich schrieb schon mal im Januar, dass nicht nur Jojo Robles den Verdacht hat, dass Roque seinen Sitz als Abgeordneter im Haus fuer das Amt des Sprechers aufgab, weil er fuer den Senat kandidieren will. Als Sprecher kommt er nun mal oefter in’s Fernsehen denn als Abgeordneter, und Robles gruebelte damals: “Wann spricht der Sprecher des Praesidenten fuer den Praesidenten, und wann spricht er tatsaechlich fuer sich selbst?

Aber lassen wir Roque auszen vor, und nehmen wir an, dass Duterte in seiner Amtszeit Kriminalitaet und Korruption merklich senken kann. Dann haette ein Kandidat seiner Partei, der PDP-Laban (Partido Demokratiko Pilipino-Lakas ng Bayan ~ Demokratische Partei der Philippinen-Macht der Nation) allerbeste Chancen naechster Praesident zu werden. Die Liberale Partei ist tot, auch wenn sie das selbst noch nicht gemerkt hat. Was jetzt gegen Benigno Aquino, Leila de Lima, Maria Lourdes Sereno und auch Conchita Carpio-Morales anlaeuft, ist ein oeffentliches Begraebnis des Gelben Kults.

Wer koennte der Kandidat sein – Senats-Praesident Aquilino “Koko” Pimentel? Er kam 2007 in den Senat, wurde 2013 wiedergewaehlt, haette ab 2019 also genuegend Zeit sich fuer 2022 einen Namen zu machen. Er hat das “praesidiale Auftreten” drauf, im Gegensatz zu – dem Sprecher des Hauses Pantaleon “Bebot” Alvarez? Der ist einfach zu ruppig fuer die Staatsspitze; mehr ein “Mann fuer’s Grobe”. Dann waere da noch die Wunsch-Kandidatin meiner Frau – die Buergermeisterin von Davao, Sara Duterte-Carpio. So wie sie in Davao Nachfolgerin ihres Vaters wurde, koennte sie nicht auch seine Nachfolgerin in Malacañang werden? Ich weisz nicht, ob es dagegen irgendwelche Dynastie-Verhinderungs-Gesetze gibt; und sie selbst scheint das nicht zu wollen. Sie sieht sich eher im Repraesentantenhaus. Bleibt noch der partei-ungebundene Senator Panfilo Lacson, dem ich Chancen einraeumen wuerde. Er hatte 2004 gegen Goria Macapagal-Arroyo kandidiert und verloren. Er hatte die Absicht 2016 wieder zu kandidieren, hat nach schlechten Umfrage-Werten jedoch einen Rueckzieher gemacht. Wie waer’s mit einem dritten Anlauf, oder fuehlt er sich – Jahrgang 1948 – nicht mehr jung genug? Jung genug waere die ebenfalls unabhaengige Senatorin Grace Poe, die ja bereits 2016 kandidierte. Bei der Wahl war sie Dritte nach Mar Roxas von der Liberalen Partei. Da man die Liberale Partei vergessen kann und die Diskussion abgeschlossen ist, ob Poe ein “natural born pilipino” ist, waeren ihre Aussichten gar nicht mal schlecht.

Wer immer es auch sein mag, es wird auf keinen Fall ein “Duterte-Imitator” sein. Wer meint, sich dessen Stil aneignen und so Karriere machen zu koennen, wuerde am Original gemessen und scheitern. Ich zitierte Rigoberto Tiglao mit seiner Prognose schon oefter, dass man die philippinische Geschichte aufteilen wird ”in die Periode ‘before Duterte’ (BD) und ‘after Duterte’ (AD).” Das gilt auch fuer Typ und Stil kuenftiger Praesidenten.

Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaStandard”, “ManilaBulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Hier ist nichts zu kopieren!