…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

Ueber die EDSA-Revolution… – …die sich 1986 auf der heutzutage dauernd verstopften Epifanio de los Santos Avenue in Metro Manila abspielte, wurde genug geschrieben, sodass ich mir das sparen kann. Wer es noch nicht weisz, in der “Wikipedia” wird das in dem englisch-sprachigen Artikel “People Power Revolution” gruendlich abgehandelt; der deutsch-sprachige Artikel “EDSA-Revolution” taugt leider nicht viel.

Geblieben ist der Feiertag am 25. Februar, an dem das philippinische Volk sich selbst und das Ende der Marcos-Diktatur feiert. Seit der Wahl 2016 und der Beisetzung des Gestuerzten auf dem Heldenfriedhof schlaegt die Feier jedoch mehr um in Proteste gegen den von der Opposition als “neuen Diktator” bezeichneten Praesidenten Rodrigo Roa Duterte.

Den ficht das wenig an, und er meidet, wie schon im Vorjahr, die Feierlichkeiten am People Power Monument, die mit der Zeit in eine Glorifizierung des “Geistes von EDSA” und der Ikone “Cory Aquino” ausarteten. Sie war eine maeszige Praesidentin, zur Macht gelangt als Witwe des ermordeten “Helden des Dramas”, Benigno “Ninoy” Aquino Jr., unter der die Korruption schlimmer wurde, als sie unter Marcos gewesen war, und die Unruhe stiftete mit einer Landreform, die fuer ihre eigene Hacienda Luisita nicht gelten sollte. Der Niedergang der “Marke Aquino” kam mit ihrem Sohn, Benigno “Noynoy” Aquino, Vorgaenger des jetzigen Praesidenten, unter dem sich die Kriminalitaet verdreifachte, und der mit dem Mamasapano-Desaster kein Ruhmesblatt der philippinischen Geschichte hinterlassen hat. Seine Unfaehigkeit ermoeglichte erst den Wahlerfolg des jetzigen “Law and Order”-Praesidenten, obwohl das Aquino-Lager mit allen Mitteln – wozu auch der anhaengige Dengvaxia-Skandal gehoert – versuchte, ihren Kandidaten, an die Spitze des Landes zu bringen. Sie mussten sich mit dem Teil-Erfolg der Vize-Praesidentschaft Leni Robredos begnuegen, der auch noch nicht in trockenen Tuechern ist, weil da der Prozess um Wahlbetrug anhaengig ist, den der knapp unterlegene Ferdinand “Bongbong” Marcos, Sohn des Diktators, angestrengt hat.

Die Glorie ist auf der historischen Strecke geblieben, und die Proteste gegen den vom Volk zu 80 Prozent unterstuetzten Praesidenten Duterte kommen an die bewegten Massen von 1986 nicht annaehernd heran, auch wenn sich einige Oppositionelle nicht zu bloed sind, das vergleichen zu wollen. Am Ende glauben sie selbst nicht dran, denn wie ich gestern in “CNNPhil” sah, marschiert man nicht unter einer Parole gegen den “neuen Diktator”. Da man so nicht genug Leute zusammenkriegt, hat man sich zu einer bunt gewuerfelten Gruppe zusammengetan, die “gegen die Diktatur”, “gegen Cha-Cha”, fuer “das Ende des Toetens”, fuer “die Befreiung de Limas” und fuer oder gegen was weisz ich noch ist. Ihnen fiel wohl selbst auf, dass man mit nur einer Parole das Bild fuer die Presse nicht so fuellen kann, dass dem Betrachter nicht doch die leere Strasze hinter den paar Hansln und Gretln in’s Auge sticht.

Zum heutigen Gedenktag laesst der Praesident wissen, dass die People Power Revolution der Welt gezeigt hat, dass “Mut und Entschlossenheit eines Volkes den Lauf unserer nationalen Geschichte aendern kann. … Die People Power Revolution wurde das bleibende Symbol unserer Entschlossenheit dafuer zu kaempfen, was Recht ist und – in entscheidendsten und herausforderndsten Zeiten – unsere geehrten demokratischen Werte zu verteidigen und aufrecht zu erhalten. … Lasst uns weiter unsere Demokratie bereichern durch Ertuechtigung unserer Buergerschaft, Verteidigung ihrer Rechte und Staerkung der Institutionen, die ihre Freiheit behueten.

Bei den Feierlichkeiten wird Duterte nicht in Manila, sondern in seiner Heimatstadt Davao sein. Darueber kann man nun munkeln, ob das nur der uebliche Wochenendtrip ist, weil er Manila nicht mag, oder ob Wichtigeres laeuft. Im letzten Jahr traf er Moro-Fuehrer, die das CAB (Comprehensive Agreement on the Bangsamoro) neu aufgelegt hatten. Ob dies Jahr etwas anderes ansteht, weisz ich nicht.

Pastor “Boy” Saycon von der historischen EDSA-Commission meint, dass der Praesident lieber in Davao ist, weil er nicht Teilnehmer der Bewegung in Manila war. Das soll nicht heiszen, dass Duterte sich des historischen Moments nicht bewusst war. Seine Tochter, Sara Duterte-Carpio, war an dem Tag vor 32 Jahren zehn Jahre alt, und schrieb letztes Jahr in einem Brief an den Erzbischof Buenaventura Villegas, der meinte den “verlorenen Geist von EDSA” oeffentlich beklagen zu muessen, dass sie sich erinnerte, dass ihr Vater sie damals geweckt und ihr gesagt hatte, sie solle sich anziehen, weil sie in die Stadt fahren. “Waehrend wir im Wagen hockten, erzaehlte er uns, ‘Timan-i ninyo ning gabhiona ni. Ayaw ninyo kalimti. (Erinnert euch an diese Nacht. Vergesst sie nie.)’ Ich erinnere mich, dass ich auf den Stufen des Glockenturmes von San Pedro stand und dem endlosen Glockenlaeuten zuhoerte. Ich verstand nicht, was geschah, doch ich vermutete, dass es etwas sehr Wichtiges sein musste, dass mein Vater mich aus dem Bett holte um jubelnde und feiernde Leute auf den Straszen zu sehen.

Man kann auch von Davao aus sehen, was im Lande wichtig ist.

Gemaesz “Wikipedia”, “CNNPhil”, “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “PTV” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.