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…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 16. Februar 2018

 

Schlagworte – “US-Praesenz zaehlt,” verkuendete Konteradmiral John Fuller am Mittwoch an Bord des Flugzeugtraegers USS Carl Vinson, “ich finde, es ist ganz klar, dass wir im Suedchinesischen Meer sind.” Geladen waren philippinische Offizielle und Offiziere, darunter Kommunikations-Minister Martin Andanar, der das “sehr beeindruckend” fand. Ging es um Aufmerksamkeit, haette man vielleicht geschickter Unter-Sekretaerin fuer Soziale Medien, Mocha Uson, eingeladen, die ihre 5,3 Mio Follower mit dem Schlagwort “US-Praesenz” aufnorden koennte. Andanar ist eher farblos und hat nicht immer ein glueckliches Haendchen, wenn es darum geht, etwas zu verkaufen.

Aber vielleicht will Praesident Rodrigo Roa Duterte die “US-Praesenz” gar nicht verkaufen, die da gegen das “Bullying” Chinas vorgeschickt wird. “Duterte sagte letzte Woche, es waere nicht die Zeit mit China wegen der Auseinandersetzungen [Spruch des Haager Schiedshofes] zu kaempfen, und er fuegte hinzu, die Philippinen sollten sich in den Wettbewerb von Washington und Peking um den Supermacht-Status ‘nicht einmischen’,” heiszt es in einer Meldung von “Agence France-Press”, mit der “The Manila Times” heute aufmacht.

Mit dem Niedergang des freien Welthandels unter dem Schlagwort “Neoliberalismus” befasst sich Rigoberto Tiglao in seiner Kolumne dort und findet im Gegensatz zu deren Verfechtern: “Ich glaube, dass Praesident Duterte mit seiner offenbarten Ueberzeugung, dass ein Staat aktiv sein muss, dessen urspruengliche Rolle es ist, dem Volk zu dienen – und nicht den Maerkten – und mit seinem starken Sinn fuer Nationalismus niemals an den Neoliberalismus glauben wird. Das ist vielleicht der Vorteil, den wir jetzt haben, dass der Praesident aus einer durchgeruettelten Front-Stadt fern der Metropole kommt, wo Abstraktionen von der Realitaet lebendig verschlungen werden.

In einem Artikel in “Al Jazeera” fragt sich der umtriebige Professor Richard Javad Heydarian zur Ankuendigung des ICC (International Criminal Court): “Kann die ICC-Untersuchung Dutertes toedlichen Drogenkrieg aufhalten?” Heydarian lehrt an der De La Salle University, war mal politischer Ratgeber des Hauses, und wird gern im TV herumgereicht. Ich halte ihn fuer einen Schwaetzer, denn in dem Artikel beantwortet er die selbst gestellte Frage auch wieder nicht, sondern verliert sich in Schlagworte: “In einer surrealen Wendung der Ereignisse finden die Philippinen, lange eine Bastion von Demokratie und Menschenrecht in Asien, sich immer mehr in einem ekelhaft exklusiven Klub von Schurkenstaaten. Gerechtigkeit fuer die Opfer des Drogenkrieges jedoch, ist in weite Ferne gerueckt.

Wenn ich diese drei Meldungen so unvermittelt aneinander haenge, dann geht es mir wieder mal darum Duterte zu verstehen. Er hat kein Rezept, das sich in Schlagworte fassen laesst. Man kann ihm nicht mit “Menschrechten” kommen, wenn er sieht, wie Familien wegen Drogen vor die Hunde gehen – wo sind deren Menschenrechte? Man kann ihm nicht mit “freien Maerkten” kommen, wenn er sieht, wie unterlegen die philippinische Wirtschaft ist. Die Nationen, die jetzt auf “liberal machen”, sind alle einst durch gnadenlose Schutzzoelle zu Wirtschafts-Maechten aufgestiegen, wie Tiglao in seiner Kolumne einen Artikel der “New Yord Times” zitiert unter der Ueberschrift “Chinas Aufstieg und der Untergang des ‘Freihandels’-Mythos”. Nun, wo sie grosz sind, wollen sie die Welt mit ihren Produkten und Normen dominieren. Das passt Duterte nicht: “Diese Laender, EU, ihr alle zusammen da, ihr habt nie aufgehoert Imperialisten zu sein.

Mir ist da ein einfaches Beispiel in Erinnerung. Bei der Fuszball-Weltmeisterschaft 2010 gab es im TV nicht nur Fuszball mit Vuvuzela-Begleitung, sondern auch Berichte zum Umfeld. Da meinte eine Frau, die sich vom Verkauf von Essen und Kleinigkeiten an die Gaeste ein Geschaeft versprochen hatte, wie sehr enttaeuscht sie sei. Grosze internationale Fresz- und Kauf-Ketten haetten sich Exklusiv-Rechte gekauft, sodass “kleine Krauter” gar nicht erst in die Naehe moeglicher Kunden kamen.



Freihandel” geht so aehnlich.

Und Duterte will sich auch nicht als “Lakai” oder “Bauer” im Groszmacht-Schachspiel herumschieben lassen. Diese “Praesenz” die da im Suedchinesischen Meer gezeigt wird, erinnert mich an Hunde, die in ihrem Revier “Praesenz” zeigen. So bringt die heutige Karikatur in “The Manila Times” passend zum Beginn des “Jahr des Hundes” nach  chinesischem Kalender einen Hund, der an einen Zaun pinkelt, an dem “Benham Rise” steht. Hinter dem Zaun schimpft ein Mann mit philippinischem Hut: “Sch! Sch! Markier dein stinkendes Territorium woanders, du dreckiger fetter Hund!” Wie kommen die Chinesen dazu, Bergen und Taelern in der “Philippine Rise (int: Benham Rise)” chinesische Namen zu verpassen? Der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, sieht darin keine politischen Absichten, und diese Ansicht wird er mit Praesident Duterte abgesprochen haben. War es doch Duterte, der “Benham Rise” kuerzlich erst zu “Philippine Rise” umgetauft hat.

Aber, bleiben wir beim Thema.

Mit Schlagworten kommt man Duterte nicht bei, und das unterscheidet ihn von smarten Politikern und Professoren, die fuer alles ein eingehendes Schlagwort finden, das “gut rueberkommt”. Duterte kommt nicht gut rueber, gerade darunter leidet sein internationales Ansehen.

Duterte denkt in Geschichten, so wie sie ihm in den Kopf kommen. Ich kann das nachvollziehen, mein Kopf arbeitet auch so. Die Kunst dabei ist, sich erst selbst zuzuhoeren und zu gruebeln, ob man das auch so sagen oder schreiben kann. Das “Schlimme“ an Duterte ist vielleicht nur, dass er die Geschichten so erzaehlt, wie sie ihm in den Kopf kommen.

Es war Sigmund Freud, der aufzeigte, dass das bewusste Denken, auf das Menschen so stolz sind, nur ein Bruchteil des Geschehens in unserem Kopf ist. Anderes mehr geschieht dort, das gar nicht unserer Kontrolle unterliegt. Diese Einsicht ist dem “gesunden Menschenverstand” immer ein bisschen unheimlich gewesen, und Freud selbst hat es als “Kraenkung des menschlichen Selbstbewusstseins” dargestellt. Aber wir koennen nicht denken, wie wir wollen. Da laufen eben Dinge ab, die wir nicht ohne Anstrengung in den Griff kriegen, wenn wir sie ueberhaupt merken – es gibt ja auch Menschen, die hoeren sich selbst nicht zu. Sollte man aber, denn Geschichten sind selbstaendig. Man muss auf sie aufpassen wie auf eine Gruppe von Kindern, wo man ab und zu auch mal ein Machtwort sprechen muss, damit die auf dem rechten Weg bleiben.

Duterte hoert zu, nicht nur sich selbst.

Interessanterweise war es Vize-Praesidentin Leni Robredo, als sie noch zu Dutertes Kabinatt gehoerte, die von ihm sagte, dass er ein Fuehrer sei, der zuhoert. Nun, er hat ihr nicht mehr zugehoert, als sie ihm dann etwas zu “auszergerichtlichen Morden” erzaehlen wollte. Das widerspricht aber nicht der Tatsache, dass er ein Zuhoerer ist. Sein Hin und Her im Drogenkrieg beweist dies, in dem er der PNP (Philippine Natinal Police) die Fuehrung im Drogenkrieg gab und entzog und gab und…

Heydarian sieht das so: “Stolz und gekraenkt beschloss der populaere Fuehrer der Filipinos sich einzugraben und sich oeffentlichem Druck nicht zu beugen.” Kann man so sehen, muss man aber nicht. Man koennte mit Konrad Adenauer – einst von Franz-Josef Strausz zu widerspruechlichen Aussagen zur Rede gestellt – genauso gut fragen: “Wollen Sie mir Lernfaehigkeit jetzt auch noch vorwerfen?

Duterte ist nicht glatt. Er hat ein Ziel – sein Land nicht vor die Hunde gehen zu lassen, wodurch auch immer – aber er hat kein Rezept, das er als Fahne vor sich herschwenken koennte. Es ist der asiatische Weg: fangen wir doch mit einem ersten Schritt mal an und schauen wir dann, wie es weitergeht. Die westlich durchgeplanten Sachen laufen auch nicht immer so, wie man sich das wuescht – ist der neue Flughafen von Berlin schon fertig? Und bei all dem denkt Duterte laut darueber nach, vor heimischem Publikum. Jeder PR-Berater wuerde bei der bloszen Vorstellung die Haende ueber dem Kopf zusammenschlagen, wie kann man nur? Aber so ist Duterte, und da muss man eben mitdenken und Schlagworte Schlagworte sein lassen.



Gemaesz “ManilaTimes”, “AlJazeera” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

 

 

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