…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 10. Februar 2018

 

Vorspiel – Am 24. Oktober 2016 schrieb Rigoberto Tiglao in seiner Kolumne in “The Manila Times” in die Zukunft schauend: “Wenn Praesident Duterte seine Amtszeit beendet, und ich glaube er wird, und wenn er nicht seine Sicht der Welt und unseres Platzes darin aendert, und ich glaube nicht er wird, werden Gelehrte in der Zukunft die moderne philippinische Geschichte aufteilen in die Periode ‘before Duterte’ (BD) und ‘after Duterte’ (AD).” Wir muessen nicht auf das Ende der Amtszeit von Praesident Rodrigo Roa Duterte warten, die Welt ist heute schon gespalten in zwei Parallel-Universen: die Duterte-Welt und die Gegen-Welt.

Ich fuehle dabei ein biszchen so wie Heinrich Heine im Exil in Frankreich, was er in seinem Gedicht “Nachtgedanken” ausdrueckte, aus dem ich die erste und die letzte Strophe zitiere, wobei ich das Wort “franzoesisch” auf meine Situation ummuenze:

Denk ich an Deutschland in der Nacht,

Dann bin ich um den Schlaf gebracht,

Ich kann nicht mehr die Augen schlieszen.

Und meine heiszen Traenen flieszen.

Gottlob! durch meine Fenster bricht

Philippinisch heitres Tageslicht;

Es kommt mein Weib, schoen wie der Morgen,

Und laechelt fort die deutschen Sorgen.

Zuversichtlich ignorant”… – …ueberschreibt Antonio Contreras seine Kolumne in “The Manila Times” heute, die sich mit dem Ergebnis einer Untersuchung befasst, wie international Menschen ihr Land wahrnehmen. Und da schneiden die Philippinen am dritt-schlechtesten ab in der Wahrnehmung von Problemen ihres Landes, aber am dritt-besten in die Zuversicht ihrer Antworten. Contreras sieht darin die philippinische “bahala na ~ was soll’s”-Einstellung, die er aber keineswegs als Gleichgueltigkeit verstanden wissen will, sondern als Aufmunterung trotz aller Widrigkeiten nach dem Motto “packen wir’s an”. Die Filipinos haben mit Orkanen, Erdbeben und Vulkan-Ausbruechen eh genug am Hals, weshalb sollten sie sich da weitere Sorgen machen? Es ist keine Gleichgueltigkeit, wenn man “trotz alledem” weitermacht, darin zeigt sich Lebensmut, und von daher versteht sich auch, wenn Praesident Duterte sagt: “Ihr sagt, ich sei ein Diktator? Ich bin wirklich ein Diktator. Waere ich naemlich kein Diktator, wuerde in diesem Land nichts passieren. … Es muss sein. Letzten Endes habt ihr mich gewaehlt. Ihr habt mich als Praesidenten ausgesucht. Warum wollt ihr mir nicht folgen, wenn meine Traeume alle fuer euch sind?

Von der Gegen-Welt her betrachtet sieht das ganz anders aus. Die vielen Toten im Drogenkrieg! Das sind doch Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das muss der ICC (International Criminal Court) untersuchen, fordert HRW (Human Rights Watch), eine Organsiation in den USA, dem Land, das wie Russland und andere dem ICC nicht beigetreten ist. Welches Recht haben die, auf die Philippinen mit dem Finger zu zeigen?

Der ICC sitzt in den Niederlanden, einem Land, das Terroristen wie Jose Maria Sison Unterschlupf gewaehrt, nennt sich “Asyl”, sehr praktisch fuer Moerder. Warum untersucht der ICC nicht, warum sich unter Benigno Aquino und der sich selbst als Hueterin der Menschenrechte darstellenden Leila de Lima als Justiz-Ministerin die Kriminalitaet hier verdreifacht hat? Dem Verbrechen freien Lauf zu lassen und dabei womoeglich die Hand aufzuhalten, verstoeszt das nicht gegen irgendwelche Regeln des Menschenrechts, oder ist das eine Naturgewalt, mit der man leben muss? Die Menschenrechts-Veraechterin de Lima frohlockt nun im Knast, wo sie wegen Verbindung zum Drogenhandel sitzt, dass mit der Untersuchung des ICC “der Anfang vom Ende der Duterte-Diktatur” gekommen sei. Den Filipinos war eine “Diktatur unter Duterte” aber viel lieber als eine “Demokratie unter Aquino und de Lima”, so haben sie ja auch gewaehlt. Und an diesem Wahl-Ergebnis kommt die Opposition so wenig vorbei wie an den 80 Prozent Zustimmung, die Duterte im Land genieszt, und wenn sie sich schwarz aergern und vor welches Gericht im Ausland sie auch immer laufen moegen.

Kanada will untersuchen, ob die Hubschrauber, die die Philippinen geordert haben, nicht fuer Kaempfe missbraucht werden koennen. Duterte cancelt den Vertrag und sagt der Armee, sie sollen woanders kaufen. Getsy Tiglao weist in ihrer Kolumne im “Manila Bulletin” darauf hin, dass Kanada erstmal seinenMedizin-Dreck, den es hier tonnenweise abgeladen hat, und der die Gesundheit der hiesigen Bevoelkerung gefaehrdet, zuruecknehmen und fachgerecht entsorgen soll, worum es sich seit Jahren drueckt. Der gestrige Leitartikel der “Manila Times” stellte sich dieselbe Frage. Welches Recht haben die, auf die Philippinen mit dem Finger zu zeigen?

Aber mit Filipinos kann man’s ja machen. Und wenn man sie vergewaltigt und ermordet hat, legt man sie in die Tiefkuehltruhe, wo sie dann, wie in einem aktuellen Fall in Kuwait, nach einem Jahr gefunden werden. Ist es da ein Wunder, wenn Duterte ganz diktatorisch den Filipinos dort raet, nach Hause zu kommen und die Philippine Airlines verdonnert, Flugzeuge bereitzustellen?

Ja, der kuwaitische Botschafter hat mit Duterte gesprochen. Wahrscheinlich hat er gejammert, was es wirtschaftlich fuer Kuwait bedeutet, wenn 250 Tsd willige Arbeiter abgezogen werden – und was bedeutet es menschlich fuer die Philippinen?

Beide Welten, die Gegen-Welt und die Duterte-Welt sind gegeneinander gefuehls-resistent. Sie koennen sich nicht in die Lage des anderen versetzen, und so ist Verstaendnis ausgeschlossen.

Bahala na!

Nachspiel – Ich kann mich heute nicht recht um die Nachrichten kuemmern, sie regen mich zu sehr auf. Auszerdem hoer ich gerade unten, dass meine Frau aufgestanden ist. Da mach ich lieber Schluss mit der Gegen-Welt im Internet und fruehstuecke jetzt mit meiner Frau in der Duterte-Welt.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaStandard”, “ManilaBulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

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