…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 27. Januar 2018

 

Duterte as Duterte can be – Die Gelehrten streiten, wem der Wiener Schmaeh “net a’mal ignoriern” zuzuschreiben ist. Von dem Schriftsteller Karl Kraus ist da die Rede. Doch der war vor meiner Zeit, und mir draengt sich Helmut Qualtinger in Erinnerung. Niemand konnte das herablassender bringen. Und “net a’mal ignoriern” waehlte ich als Ueberschrift, als ich Meldungen las, dass Human Rights Watch und Agnes Callamard & Co, schon wieder was gegen die Philippinen, bzw. Duterte zu sagen hatten. Ich schrieb einen deftigen Eintrag gestern Abend und – ich habe ihn heute Morgen weggeworfen, als ich die “Manila Times” las.

Nein, nicht die Schlagzeile, dass IS-Schlaefer Duterte umbringen wollen. Natuerlich wollen die das, und hoffentlich passen Geheimdienst und Sicherheits-Kraefte gut auf den Praesidenten auf. Etwas tiefer, unter das Bild gequetscht, da steht mit dem Titel “Duterte bezeichnet UN als nutzlos in einer Rede in Indien”. Endlich wehrt er sich, und ueberlaesst es nicht nur seinem Sprecher und seinen Ministern bodenlose Anwuerfe abzuwehren.

Praesident Rodrigo Roa Duterte, “in his own words”, wie “CNNPhil” im TV immer titelt, wenn sie ihn zitieren, um ihm mal wieder Uebles unterzujubeln: “Die Vereinten Nationen haben keinen Nutzen fuer die menschliche Gemeinschaft, soweit mich das betrifft. Sie haben keinen einzigen Krieg verhindert, sie haben kein einziges Massaker verhindert. … Ich? Ich versuche mein Land zu schuetzen. Sie behaupten, ich haette 10.000 umgebracht. Nehmen wir mal an, das waere wahr, was erwartet man dass ich tue? Mich auf den Arsch setzen und mein Land vor die Hunde gehen lassen? … All diese Leute, das Time-Magazin eingeschlossen, stellen mich als Killer hin. Sei’s drum! Ich schuetze mein Land vor den Feinden des Staates.” In Bezug auf sein Treffen mit Lech Walesa (siehe gestern), sagte Duterte: “Ich erzaehlte dem Nobelpreis-Traeger, beschuetz dein eigenes Land. Kuemmer dich nicht um Menschenrechtler. Das ist blosz ein laermender Haufen.” Das sagte er auch zur Staats-Ministerin von Myanmar: “Aung San Suu Kyi war mit bei uns. Sie tut mir Leid, denn sie scheint in der Mitte gefangen zu sein als Friedensnobelpreis-Traegerin und dem Krawall, wegen dem sie heftig kritisiert wird. … Ich sagte zu ihr: ‘Scher dich nicht um Menschenrechte, das ist nur ein laermender Haufen.’

Hierzu passt… – …dass Praesident Duterte nicht scharf darauf ist, an dem Asien-Europa-Treffen spaeter im Jahr in Belgien teilzunehmen, zu dem er kuerzlich eingeladen wurde (siehe gestern).

Duterte, “in his own words”: “Jesus, Maria und Josef! Das ist nur ein Haufen Ausgaben. Ist gut, wenn es billig waere, dann wuerde ich rueber fliegen, aber das kostet uns Millionen. … Aber dann auch wieder, ich kann die nicht verknusen. Das ist alles. Also warum sollte ich hingehen und Dinge diskutieren, ueber die ich es hasse mit ihnen zu sprechen? … Diese Laender, EU, ihr alle zusammen da, ihr habt nie aufgehoert Imperialisten zu sein. Ihr wart imperialistisch von jeher. Wir kennen das schon, sie haben immer Recht. Sie verordnen ihre eigenen Werte, ihr Ethos und ihre Politik wie sie es wollen und brauchen.

Ich denke, die Einladung nach Bruessel kann die EU sich von der Backe putzen.

Anders sieht das vermutlich mit einer anderen Einladung aus. Australien hat Praesident Duterte und andere ASEAN-Fuehrer zu einem Gipfel im Maerz nach Sidney eingeladen. Die australische Botschafterin Amanda Gorely: “Wir hoffen alle ASEAN-Fuehrer zu treffen, einschlieszlich Praesident Duterte … um gemeinsame Sorgen zur regionalen Sicherheit und zum Terrorismus zu diskutieren, sowie die Zusammenarbeit unserer Wirtschafts- und Handels-Beziehungen fortzusetzen.” Das Thema duerfte Duterte dringlicher sein, denn Australien hat per Luftaufklaerung die philippinische Armee im Kampf um Marawi unterstuetzt, und nicht an der Beachtung der Menschenrechte dabei herumgenoelt, und auszerdem ist Australien nicht so weit. Da kommt Duterte wohl billiger bei weg.

Gestern abend… – …habe ich mir leider auch die Rede von US-Praesident Donald Trump in Davos angeschaut, “CNN” uebertrug live weltweit. Zwar meint ein Kommentar der “Neuen Zuercher Zeitung” heute “Die USA sollten nicht unterschaetzt werden”, doch mein Eindruck war eher, dass da jemand um Investitionen bettelt. Warum tut er das? Hat die amerikanische Wirtschaft nicht genug Geld? Trump versuchte den Egoismus, der hinter seinem “America first” steckt, umzudeuten in eine Offenheit fuer “fairen Handel” und dass er Handels-Beziehungen in dem Sinne bilateral neu verhandeln will.

Dieser Wille “bilateral verhandeln zu wollen” ist eine Strategie, die China auch gern vertritt, wenn es zum Beispiel um Probleme im Suedchinesischen Meer geht. Es ist dieser “Internationalismus”, der Duterte auf den Keks geht, wenn die ihm mit “internationalen Maszstaeben” zum Beispiel beim Menschenrecht kommen, und den auch die Chinesen nicht moegen, wenn man ihnen das Urteil des Internationalen Schiedsgerichtshofes zur “Nine dash-Line” unter die Nase reibt. Was stoert die Amerikaner ploetzlich an internationalen Handels-Organisationen, dass sie die nun lieber “bilateral” auskunkeln wollen? Ich hab die Einwohnerzahlen gestern gegenueber gestellt, ich muss das hier nicht wiederholen. Dies ist eher die Fortsetzung des gestrigen Eintrags, die mich heute fragen laesst: steckt hinter diesem Hang zum “Bilateralismus” vielleicht die Einsicht, dass die Vereinigten Staaten gegenueber “Asia Pacific” ein Zwerg, gegenueber jedem einzelnen Staat – China mal auszen vor – aber immer noch ein Riese sind?

Das ist nichts als “Bullying” oder – “Imperialismus”.

Fuer mich fehlte in Trumps Rede aber ein Aspekt voellig, den Duterte sieht, und der in dem Interview mit Lech Walesa bei “NHK” zur Sprache kam. Der Welthandel, wie er derzeit laeuft, laesst die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter klaffen. Das ist nicht gut, und mit “Bullying” wird es nur schlimmer. In dem Interview gefragt, was man da tun koenne, lachte Walesa nur: “Wenn ich das wuesste, haette ich schon einen zweiten Nobelpreis.

Keiner hat eine Loesung, die fuer alle passt. Es wird aber mehr Geld von reichen Laendern in arme Laender flieszen muessen. Sonst wird es dort dem Terror zu leicht gemacht, die Aermsten auf seine Seite zu bringen. Und das koennen sich auch die reichen Laender nicht wuenschen, denn das wird teurer. Die Loesung ist aber keinesfalls, dass die armen Laender in die reichen Laender investieren oder als OFWs (Oversea Filipino Workers) selbst dahingehen, um sich noch besser ausbeuten zu lassen. Das laeuft nicht, Mr. President.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaStandard”, “ManilaBulletin”, “PhilStar”, „CNN„, “NZZ” u.a.

 

Diskutiert wird darüber im DER PHILIPPINISCHE EXPAT KLUB, in der Gruppe POLITIK!

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

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