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…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 22. Januar 2018

 

Eine Frage der Ehre – Manchmal stolpert man ueber Saetze, die man woanders gut gebrauchen koennte, nur ist man leider grad in eine Geschichte verstrickt, die den Schlenker nicht gestattet ohne selbst aus dem Ruder zu laufen. Da der Satz aber wichtig ist, hier also nochmal das Zitat vom letzten Freitag, was Praesident Rodrigo Roa Duterte im Zusammenhang mit seiner Zeit als Buergermeister in einer Rede sagte: “Ich hab nie befohlen jemanden zu toeten, der vor mir kniete. Ich hab nie jemandem etwas zugefuegt, auch dem haertesten Idioten oder Kriminellen nicht, der seine Arme erhoben hat. Ich mach das nicht, weil ich kein Mann bin, wenn ich es tue.

Duterte beruft sich da auf eine Ehre, Relikt eines ritterlich-soldatischen Verstaendnisses, Gefangene nicht zu toeten. Ich rechne ihm das an und bin der Meinung, dass dieses Verstaendnis, mit dem man sich, wenn man in Verteidigung des Landes schon toeten muss, den letzten Rest menschlicher Wuerde bewahrt, auch die Todesstrafe verbietet.

Wenn Duterte es sich zur Ehre anrechnet, den Wehrlosen nicht zu toeten, um seine Wuerde zu wahren, darf er das dem Henker nicht zumuten. Was ist mit dessen Wuerde? Soll der ehrlos sein, wie im Mittelalter?

Wenn Duterte die Todesstrafe fordert und die wieder eingefuehrt wird, wird er dem Henker befehlen muessen, “jemanden zu toeten, der vor ihm kniet” – das kann er nicht wollen, als Demokrat.

Ich weisz, der Gedanke ist nicht naheliegend, ich bin auch erst spaet drauf gekommen. In Diskussionen um die Todesstrafe, wird stets vom Taeter oder vom Opfer aus argumentiert, ich erinnere das aus der Schule. Nach dem Henker fragt keiner. Dabei verwenden Duterte und Polizei-Chef Ronald dela Rosa eben dieses Argument gegen Menschenrechts-Organisationen, die sich nur um Junkies und Dealer kuemmern, statt auch die Morde an Polizisten zu zaehlen und anzuprangern, die in Ausuebung ihrer Pflicht ihr Leben lieszen.

Und hier ist wichtig, was Duterte meist nur in einem Nebensatz dazu gemurmelt hat, was ihm aber sehr bewusst ist, sonst haette er es eben nicht angefuegt: dass die in Durchsetzung des Rechts von der Waffe nur Gebrauch machen, wenn ihr Leben in Gefahr ist. Da liegt der tiefe Abgrund zwischen  “law enforcement” und “extra-judicial killing”. Der Nebensatz ist der wichtigere Teil der Aussage, und da, frage ich mich angesichts der Todesstrafe – ist das Leben des Henkers in Gefahr? – Nein? – Okay, dann braucht das Recht ihn auch nicht.

Von der Macht total besoffen… – …sei Pantaleon Alvarez, der Sprecher des Hauses, meint Alejandro del Rosario in seiner Kolumne im “Manila Standard”. Alvarez’ Alleingang, nur mit der Super-Majoritaet des Hauses am Senat vorbei die Verfassung aendern zu wollen, kann er nicht anders verstehen, als dessen Ziel, von dieser Majoritaet zum Premier ausgerufen zu werden, womoeglich unter Duterte als einem machtlosen Gruesz-August-Praesidenten. Dass das mit Duterte nicht zu machen ist, habe ich neulich geschrieben, und auch del Rosario weist darauf hin, dass Duterte oeffentlich erklaert hat, nicht laenger als die Zeit im Amt zu sein, fuer die er gewaehlt wurde. Bisher haelt Malacañang sich aus dem Streit zwischen Senat und Haus heraus, doch meint del Rosario: “Vielleicht ist es an der Zeit, dass der Praesident Alvarez durch einen feinfuehligeren, nuechternen Sprecher des Hauses ersetzt, der mit dem Senat arbeiten kann statt ihn einzuschuechtern. Es waere nur ein Wort oder ein Wink vom Palast her noetig, um Alvarez von der Super-Majaritaet im Kongress ersetzen zu lassen. Inzwischen sollte Praesident Duterte bemerkt haben, dass Alvarez ihm keinen Gefallen tut.

Wenn der Foederalismus Duterte am Herzen liegt, kann er das nicht einfach weiter laufen lassen, denn ein Alleingang des Hauses wuerde – ganz abgesehen von juristischen Gefechten – das Land spalten. Die Bevoelkerung steht hinter Praesident Duterte, Foederalismus hin oder her. Sie steht aber nicht hinter Alvarez, der wird eher als Handlanger des Praesidenten betrachtet. Dann sollte der sich aber auch so verhalten und nicht, wie del Rosario ueber seine Kolumne schreibt, selbst das beste Argument gegen den Foederalismus sein.



Gemaesz “ManilaStandard” u.a.

 

Diskutiert wird darüber im DER PHILIPPINISCHE EXPAT KLUB, in der Gruppe POLITIK!

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

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