…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 06. Januar 2018

 

Ob 2019 gewaehlt wird… – …ist eine Frage, die derzeit auf hoechster Ebene diskutiert wird. Man diskutiert, wie schnell eine Verfassungs-Reform kommen kann, ob sich das mit der anstehenden Wahl ueberschneidet, ob die Wahl entfallen muss, ob man die Amtszeit von Praesident Rodrigo Roa Duterte verlaengert, wie sich das auf die Amtszeit von Vize-Praesidentin Leni Robredo auswirkt, und weisz der Henker was noch.

Die haben noch nicht mal eine konstituierende Versammlung besprochen, da befassen sie sich mit den Folgen des noch nicht Angedachten. Und alle haben dazu etwas zu sagen.

Alle?

Praesident Duterte haelt sich da raus und laesst erklaeren, dass eine Verlaengerung seiner Amtszeit auf keinen Fall in Frage kommt.

Alles andere werden wir sehen.

Personal-Fragen – Der fruehere Armee-Chef Eduardo Año ist neuer amtierender Innen-Minister, nachdem der bisher ihm vorgesetzte Catalino Cuy zum Chef des DDB (Dangerous Drug Board) ernannt wurde. Ich weisz nicht, warum mir wichtig ist, dass Año nach seiner ein-jaehrigen Karenzzeit dann wirklich Innen-Minister wird, aber aus mir selbst unerfindlichen Gruenden traue ich ihm die laengst ueberfaellige Reform der PNP (Philippine National Police) zu – den Jungs fehlt Disziplin, wie sie in Dutertes Amtszeit leider mehrfach bewiesen haben.

Wo ich grad beim Personal bin – Praesident Duterte hat den Ruecktritt seines Sohnes Paolo als Vize-Buergermeister von Davao angenommen. Das war zu erwarten, da die beiden miteinander gesprochen hatten, bevor Paolo seinen Ruecktritt einreichte, und der Vater dem Sohn riet, zu tun was er fuer richtig haelt. Es waere absurd, wuerde er dessen Entscheidung nach dieser Vorgabe nun nicht akzeptieren.

Ganz anders sieht das der “Spiegel”, der einen kurzen Artikel zu Paolos Ruecktritt so einleitet: “Normalerweise geht Praesident Duterte mit aller Haerte gegen Drogenhaendler vor. Bei seinem Sohn laesst er offenbar Milde walten. Der soll grosze Mengen Crystal Meth geschmuggelt haben.

Der “Spiegel” erwaehnt nicht, dass Paolo Duterte und Maneses Carpio Klage gegen Senator Antonio Trillanes, den Urheber der Verleumdung eingereicht haben, und dass der Senat in seiner Untersuchung keinen Grund fand, gegen die beiden vorzugehen. Mit dem Ruecktritt haelt Dutertes Sohn sich den Ruecken frei, um sich auf die Auseinandersetzung mit diesem Erz-Schurken – ein wegen Meuterei verurteilter Ex-Knacki, den Benigno Aquino aus dem Knast geholt hat, um ihn gegen seine politischen Gegner einzusetzen – konzentrieren zu koennen.

Dass deutsche Blaetter nicht ohne Vorurteil ueber die Philippinen berichten koennen, sondern lieber mit Geruechten gezielt desinformieren, hatte ich schon oefter beklagt. Sie haengen nun mal am Tropf der von der Opposition betriebenen Anti-Duterte-Propaganda. Ich lese den “Spiegel”, die “Zeit” und andere nicht mehr, wenn es um die Philippinen geht, und das empfehle ich auch jenen, die den Artikel auf die Web-Seite des Deutsch-Philippinischen Klubs verlinkt haben, und eben das ist der Grund, warum ich ihn nun doch widerwillig gelesen habe.

Es ist nicht klar ist, ob der Urheber des Links hinter dem Artikel steht oder sich darueber aufregt, denn sich gemeinsam ueber etwas aufzuregen, ist eine Art Gruppen-Therapie gegen Unliebsames. Huehner machen das auch, bis der ganze Hof mitgackert. Der Link erreicht das Gegenteil. Einen Artikel zu teilen, wird informations-technisch hoeher bewertet als ein “like”, weil man nicht nur “ja” sagt, sondern es aktiv weitertraegt. Aehnlich der Geldfaelscherei ist nicht nur das Drucken von Blueten strafbar, sondern ganz besonders auch deren Weitergabe. Die ist sogar noch schlimmer, denn ohne andere reinzulegen, waeren die Blueten nur schmutziges Altpapier – druck-technisch gesehen. Das Verlinken auf verlogene Artikel ist aktive Teilnahme und Unterstuetzung des “fake news”-Desasters im Internet.

War das Absicht?

Es lohnt auch nicht Leserbriefe an die Blaetter zu schreiben – die liest keiner. Die Leserbrief-Spalte ist der Papierkorb aller Online-Zeitungen. Man sollte einfach keine Artikel in deutschen Zeitungen lesen, die sich mit den Philippinen befassen. Sie sind alle verlogen, und sie einfach zu ignorieren trifft sie viel haerter als jede unnuetze Aufregung.

Lest lieber “The Manila Times”, “Manila Standard”, “Manila Bulletin” und “The Philippine Star”, und wenn ihr kein Englisch koennt – lest mich. Ich mach hier den Vorleser.

Dura lex, sed lex… – …das Gesetz ist hart, aber es ist das Gesetz. Im Falle von Mary Jane Veloso ist es nachgerade grausam, wofuer sich das Appellations-Gericht (CA ~ Court of Appeals) nun fast schon entschuldigt: “Fuerwahr, die erste und grundlegende Aufgabe des Gerichtes ist, das Gesetz anzuwenden.” Und so verwehrt es erneut, dass Mary Jane Veloso im Prozess gegen Maria Cristina Sergio und Julius Lacanilao ihre Aussage in Indonesien machen kann – doch betrachten wir das im Zusammenhang.

Mary Jane Veloso war von Maria Sergio, einer guten Bekannten von ihr, ein Koffer untergejubelt worden, in dessen Futter Heroin verborgen war, wovon Veloso nichts wusste. Das Heroin wurde bei Einreise am Flughafen in Indonesien entdeckt, und ein Gericht dort verurteilte Veloso zum Tode. Praesident Benigno Aquino setzte sich fuer sie ein, Sergio stellte sich in den Philippinen, und in dem Prozess gegen die und ihren Komplizen sollte Veloso aussagen.

Die fuer den 29. April 2015 angesetzte Hinrichtung wurde von indonesischen Behoerden aufgeschoben, “solange der Prozess gegen Maria Cristina Sergio und Julius Lacanilao in den Philippinen nicht abgeschlossen ist.” Velosos Aussage sollte am 27. April 2017 in Yogjakarta, Indonesien, in Anwesenheit des Richters ueber die Buehne gehen, hatte Richterin Anarica Castillo-Reyes vom Distrikts-Gericht Sto. Domingo, Nueva Ecija, entschieden. Geht nicht, befand das von den Verteidigern von Sergio und Lacanilao angerufene Appellations-Gericht im Maerz 2017, weil in Kriminal-Faellen der Zeuge persoenlich vor Gericht und “face to face” mit dem Angeklagten aussagen und seinen Eid ablegen muss. Nun kann die in Indonesien inhaftierte Veloso genauso wenig in Nueva Ecija erscheinen, wie das Gericht in einem indonesischen Gefaengnis tagen kann. Also bat die Familie das Appellations-Gericht, die Entscheidung zu ueberdenken. Das tat das Gericht, kam mit Entscheid vom 13. Dezember 2017 aber zu demselben Ergebnis wie im Maerz. Das – siehe oben – bedauerte das Gericht in diesem Falle selbst, aber das Gesetz ist das Gesetz.

Die Sache kann noch an das Oberste Gericht gehen, was aber kaum anders entscheiden kann.

Ein Hilferuf an Praesident Rodrigo Roa Duterte verbietet sich. Der hatte schon im September 2016 waehrend eines Besuchs bei Praesident Joko Widodo kategorisch festgestellt: “Wir stimmen darin ueberein unsere jeweiligen Rechtsprozesse zu respektieren.” In Bezug auf ein Gnadengesuch fuer Veloso sagte er: “Es gaebe wohl einen schlechten Geschmack im Mund zu sagen, dass man eine harte Haltung zu Drogen einnimmt, und hier dann um etwas zu bitten … Tut mir Leid. Ich muss mich fuer nichts entschuldigen, weil das Gesetz nun mal das Gesetz ist.

So sieht es nicht gut aus fuer Veloso, denn selbst wenn der Prozess gegen Sergio und Lacanilao auch ohne ihre Aussage eindeutig zeigt, dass sie als “unwissender Lastesel” missbraucht wurde, kippt das nicht das Urteil des indonesischen Gerichts – sie hat das Heroin in’s Land gebracht. Hoffnung fuer Veloso gaebe es, wenn Praesident Widodo die Tragik in diesem “deadlock” der “jeweilig respektierten Rechtsprozesse” erkennt und das Todesurteil in lebenslange Haft wandelt.

Ich halte das fuer eine romantische Fantasie.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “PhilStar”, “Spiegel” u.a.

 

Diskutiert wird darüber im DER PHILIPPINISCHE EXPAT KLUB, in der Gruppe POLITIK!

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.