…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 05. Januar 2018

 

Der Hoeflichkeitsbesuch… – …des indonesischen Auszen-Ministers, zu dem der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, nicht viel sagen konnte, war ein Besuch der indonesischen Auszen-Ministerin Retno Marsudi. Da man im Englischen nicht gleich erkennt, ob ein “foreign affairs minister” maennlich oder weiblich ist, und der Rufname “Retno” mir auch nicht half, hielt ich sie fuer einen Mann. Ein im Nachhinein verstaendlicher Irrtum, wie ich in der “Wikipedia” finde, denn sie ist die erste Frau in Indonesien, die 2014 von Joko Widodo in dieses Amt berufen wurde. Sie war Botschafterin in Norwegen, Island, zuletzt in den Niederlanden.

Marsudi war am Mittwoch in Davao, um im House of Indonesia 300 Indonesiern, die auf Balut Island leben, ihre Paesse zu ueberreichen. Viele hier im Sueden galten als staatenlos, bis 2011 der UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) eine Liste von Personen indonesischer Abstammung erstellte. Fruehe indonesische Siedler hatten Balut Island fuer indonesisch gehalten, als sie dort siedelten. Die Philippinen und Indonesien einigten sich, die Personen als Staatsbuerger anzuerkennen. Am Rande dieses Aufenthaltes der Auszen-Ministerin kam es dann zu dem Hoeflichkeitsbesuch bei Praesident Rodrigo Roa Duterte.

Zwischen allen Stuehlen – Wo ich grad bei der Staatenlosigkeit bin, sticht nun der zweite Artikel einer Serie der “Manila Times” zur Marawi-Krise in’s Auge. Thema gestern war eine Ueberweisungs-Flut in die Gegend, um den Krieg zu finanzieren. Thema heute sind “Kinder-Krieger ~ child warriors”.

Den armen Familien in der ARMM (Autonomous Region in Muslim Mindanao) und in Sabah wurden und werden von IS-nahen Imamen Soehne abgekauft: “Fuer viele der Eltern von geschaetzt 2.000 Kinder-Kriegern in Marawi war es schwer nein zu sagen bei dem Mangel wirtschaftlicher Moeglichkeiten und der Angst eine maechtige Person der Gemeinde zurueckzuweisen.” Eine Frau erzaehlte, dass sie und ihr Mann zweimal von dem oertlichen Imam angegangen wurden, bevor sie vor zwei Jahren ihren 11-jaehrigen Sohn fuer 150 Tsd Peso dem Imam ueberlieszen. Der Tod ihres Sohnes in der Marawi-Krise verfolgt sie und ihre Familie seither, weshalb sie nun andere warnen, solchen Ansinnen nachzugeben.

Es ist die Armut, die die Menschen anfaellig macht, und in Sabah gibt es nach einer Quelle “mehr als 400.000 staatenlose Kinder philippinischer Abstammung, deren Eltern entweder keine Papiere haben oder staatenlos sind, und die im inoffiziellen Niedrig-Lohn-Sektor in Sabah arbeiten. Das heiszt, dass 99 Prozent dieser staatenlosen Kinder philippinischer Abstammung keine oeffentliche Schule besuchen koennen in Sabah, ein malaysischer Staat, auf den die Philippinen historische Ansprueche erheben.” Welche Ansprueche erstmal beiseite zu schieben Praesident Duterte und der Malaysische Premier-Minister Najib Razak sich geeinigt haben.

Das hilft den Menschen noch nicht aus ihrer Armut in einer Lage, in der der Imam Macht (und Geld) repraesentiert und so praktisch staatliche Autoritaet usurpiert. Schon daraus wird die Bedeutung eines Abkommens fuer Bangsamoro klar, das Ordnung stiftet und einen dauerhaften Frieden sichert, dem wirtschaftliche Investitionen folgen sollten. Solange Menschen ohne Geld und Aussicht auf Besserung dort zwischen allen Stuehlen sitzen, werden die Werber des IS immer ihre Opfer finden.

Aufgeloest ist… – …nun die andere unbekannte Groesze, mit der Roque in seinem Presse-Briefing neulich zurueckhalten musste. Gefeuert wurde der Chef der Marina (Maritime Industry Authority), Marcial Amaro, wegen uebermaeszig vieler Auslandsreisen auf Staatskosten nach dem Motto “Go to the government – and see the world”. 2016 brachte er es auf 6, im Jahre 2017 auf 18 Reisen.

Am Mittwoch gab Staatsminister Salvador Medialdea auch Richtlinien fuer alle offiziellen Vertreter des Staates heraus, die sich gegen “extravagante und verschwenderische” Auslandsreisen richtet. Duterte meint, dass Lustreisen nicht zu seinem Kampf gegen Korruption passen. Er moechte eine Kosten-Nutzen-Aufstellung fuer die Reisen sehen.

Das wird teuer – Wo ich grad beim Geld bin: die am Schmuggel durch den Zoll beteiligten Mark Taguba und Kenneth Dong, bekannt aus live uebertragenen Untersuchungen des Senats zum Schmuggel von 600 kg Shabu, haben eine “Rechnung” vom Finanz-Ministerium bekommen. Fuer fehlende Steuer-Erklaerungen von 2009 bis 2016 soll Taguba 850 Mio Peso, und Dong fuer den Zeitraum von 2003 bis 2017 11 Mio Peso Steuern nachzahlen.

Der Leser erinnert vielleicht, dass man Al Capone fast nichts nachweisen konnte. In den Knast kam er wegen Steuerhinterziehung. Mithin, selbst wenn man Taguba und Dong den Deal mit Shabu nicht in die Schuhe schieben kann – Knast ist sicher. Denn auf die Seite gelegt haben sie die gesparten Steuern wohl nicht, dass sie das jetzt locker abdruecken koennten.

Follow the Money… – …ist auch die Devise in der Kolumne von Rigoberto Tiglao in der “Manila Times” heute. Den Aufdeckungen des Blogger Rey Joseph Nieto folgend, der die Web-Seite “Thinking Pinoy” betreibt, fand Tiglao, dass Ex-Praesident Benigno Aquino, dessen Budget-Minister Florencio Abad und Gesundheits-Ministerin Janette Garin 10,6 Mrd Peso fuer “andere Zwecke abgezweigt” haben aus einem Fond, der zur Absicherung der Beduerfnisse der Senior Citizens eingerichtet worden war. Blogger Nieto schaetzt, dass wegen des gepluenderten Fonds PhilHealth ab Mitte des Jahres Krankenhaus-Kosten fuer Senior Citizens nicht mehr bezahlen kann.

Die “Aquino-Gang” finanzierte stattdessen mit dem Geld Projekte, die die Liberale Partei fuer die Wahl 2016 in ein gutes Licht stellen sollten, unter anderem die, wie sich nun herausstellt, potentiell toedliche Impfung mit “Dengvaxia”. Eine umfassende Untersuchung haelt Tiglao fuer angezeigt.

Das Thema “Dengvaxia”… – …hat es heute bis in die Auslands-Presse geschafft. In “The Straits Times” informiert ein Artikel, dass die philippinische Regierung den Pharma-Konzern Sanofi mit einer symbolischen Strafe von 2 Tsd US-Dollar belegt und Sanofi anweist, Verkauf, Verteilung und Werbung fuer “Dengvaxia” einzustellen. Die Registrierung des Mittels wurde ausgesetzt, sagte Gesundheits-Minister Francisco Duque gegenueber “Reuters”. Ein Sprecher von Sanofi beeilt sich zu versichern: “Sanofi Pasteuer arbeitet weiter in aller Offenheit mit der philippinischen FDA [Food and Drugs Administration] zusammen und verpflichtet sich zur Beachtung philippinischer Gesetze und Regelungen.



Gemaesz “ManilaTimes”, “MindaNews”, “Wikipedia”, “PhilStar”, “StraitsTimes” u.a.

 

Diskutiert wird darüber im DER PHILIPPINISCHE EXPAT KLUB, in der Gruppe POLITIK!

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.