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…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 15. Dezember 2017

 

Guter Glaube und unheilige Hast – Jojo Robles schrieb letzte Woche, man moege die medizinisch-ethische und die politische Seite des Dengvaxia-Falles auseinanderhalten, sonst gaebe das nur ein Kuddelmuddel, den niemand auseinander bringt. Das befuerchtete ich gestern in der Fortsetzung der Untersuchung unter Leitung von Senator Richard Gordon, als mit Ex-Praesident Benigno Aquino gleich die ganze Senats-Opposition aufmarschierte – Franklin Drilon, Paolo “Bam” Aquino,  Francis Pangilinan und Risa Hontiveros Doch Gordon hatte die Sache fest im Griff, auch wenn er einigermaszen von Heiserkeit geplagt war.

Ex-Praesident Aquino verlas ein Statement, in dem er sagte, dass er begeistert war, als er hoerte, dass es ein Mittel gegen Dengue gibt, sodass er sich dafuer stark machte. Gordon las ihm spaeter eine lange Liste von Urteilen gegen Sanofi wegen Bestechung und Falschangaben zu ihren Medikamenten in verschiedenen Laendern vor. Aquino sagte jeweils, davon nichts gehoert zu haben. Gordon meinte, dass das wohl ein Fehler war, dass er nicht ordentlich gebrieft wurde, aber ein gewisses Masz an Pflicht zur Sorgfalt solle schon vorhanden sein, und ihm missfiel die Hast, mit der die Impf-Aktion eingefuehrt und durchgezogen wurde. Ursache dafuer koenne gut die Begeisterung des Praesidenten gewesen sein.  Aquino betonte, dass er bei aller Begeisterung Gesundheits-Ministerin Janette Garin und andere stets angewiesen habe sicherzustellen, dass das Mittel verfuegbar, dass alle Prozesse durchlaufen, und dass entsprechende Gelder fuer den Kauf bereitgestellt waren. Von Bedenken gegen Dengvaxia habe er nie etwas gehoert.



Etwas unangebracht fand nicht nur ich den Auftritt von Anwalt Fernando Topacio von den VACC (Volunteers Against Crine and Corruption), der den Ausschuss aufforderte gegen Aquino, Garin und etliche andere wegen Pluenderung zu ermitteln. Hier warf Senator Drilon ein, damit solle er zum Ombudsmann gehen, und Gordon  nahm das zur Kenntnis und liesz es dabei bewenden.

Naiv fand ich die von Senatorin Hontiveros schon in der letzten Sitzung gebrachte und nun wiederholte Frage an den Sanofi-Repraesentanten Thomas Triomphe, ob Sanofi alle Kosten fuer die Behandlung von Krankheitsfaellen aus der Aktion uebernehmen wird. Eine solche Vorab-Verpflichtung vor Klaerung der Sache, waere ein Schuldeingestaendnis, das Triomphe natuerlich nicht aussprach. Er sicherte dagegen Unterstuetzung zu, und sprach spaeter von der Entwicklung eines Tests rasch festzustellen, ob Patienten bereits Dengue hatten, um ueber die richtige Therapie zu entscheiden.

Auf einen Nenner brachte Dr. Antonio Dans von der UP (University of the Philippines) die Angelegenheit, als er sie zu einem Fall von “bad science ~ schlechte Wissenschaft” deklarierte: “Es gab bereits vor vielen Jahren Anzeichen von Schaeden bei Patienten, die zuvor kein Dengue hatten (serumnegativ), und das wurde anfangs ignoriert. Das fuehrte zu einer spaeten Entdeckung des Schadens mit dem Ergebnis, dass wir uninformierte Patienten hatten.

Senator Pangilinan hakte gleich nach, ob es also ein wissenschaftlicher und kein politischer Fehler sei, was Dans bejahte. Hier spielte boes zusammen, dass Sanofi diese fruehen Hinweise nicht beachtete, und dass diese Aquino und Garin nicht bekannt waren.

Die ehemalige Gesundheits-Ministerin Janette Garin traf etwas spaeter nach erfolgreicher Blinddarm-Operation ein, Gordon erkundigte sich danach, und antwortete auf Fragen. Sie hatte keine Kenntnis von den ueblen Folgen fuer serumnegative Patienten, bevor die von Sanofi am 29. November 2017 bekannt gemacht wurden. Bei der hastigen Zulassung und Genehmigung kam es aber zu widerspruechlichen Aussagen mit Mitarbeitern der FDA (Food and Drug Administration), die fuer die Zulassung von Medikamenten zustaendig ist, und die zum DoH (Department of Health) gehoert. Es war schon in einer frueheren Sitzung gesagt worden, dass es ein Unding sei, dass die zulassende Behoerde unter der die Medikamente einsetzenden Behoerde angesiedelt ist. Die muessen unabhaengig sein.

Die Senatoren “Bam” Aquino und Franklin Drilon ritten dann mehrere Attacken gegen die nicht im Amt bestaetigte Gesundheits-Ministerin Paulyn Ubial, die die Impf-Aktion nicht fortfuehren wollte, sich aber dazu draengen liesz. Warum? Ihr Problem war, dass gesundheitliche Probleme nicht bekannt waren, nur die undurchsichtige Zulassung, und da waren die Lager halb voll mit Dengvaxia, das sich langsam dem Verfallsdatum naeherte. So habe sie Widerstand geleistet, sich am Ende aber draengen lassen, bevor man ihr Vorwuerfe wegen Vergeudung von Regierungs-Mitteln macht.

Der Leiter der Untersuchung, Richard Gordon, wollte sie nicht im Regen stehen lassen, immerhin hatte die Aerztin jahrelang im oeffentlichen Dienst gearbeitet, im Gesundheits-Ministerium seit 2008, und so fragte er nach, ob ihre Nicht-Bestaetigung im Amt mit ihrem Widerstand zu tun hatte. Das bejahte Ubial, und weiter gedraengt und nach Namen gefragt, sagte sie, besonders Oscar “Richard” Garin, Ehegatte von Janette Garin, Abgeordneter des Hauses fuer Iloilo, habe sie gedraengt, mehr Dengvaxia zu kaufen und das im Budget fuer 2018 unterzubringen. Und Gwendolyn “Gwen” Garcia, Abgeordnete des Hauses fuer Cebu, habe sie gedraengt, die Aktion auf Cebu auszuweiten.

Gordon, der die Untersuchung gestern abschlieszen wollte, warf das Papier, das er in der Hand hielt, mit groszer Geste auf den Tisch und meinte, dass die Untersuchung jetzt wohl erst beginnt. Garin meldete sich gleich zu Wort und betonte, dass es da keinen Zusammenhang gibt. Nun, finde ich, Ehe ist ein ziemlich starker Zusammenhang, der sogar vor Gericht gilt. Gemaesz “Rules of Evidence, Rule 130, Section 22” duerfen Eheleute in den Philippinen nur mit ausdruecklicher Zustimmung des Partners fuer oder gegen den aussagen. Die Regel gilt nicht in Zivil-Verfahren gegeneinander (unter welcher Ausnahme Andres Bautista grad leidet). Von der Seite ist Garin also unangreifbar, aber warum setzt ihr Gatte sich so fuer vermehrte Kaeufe ein? Die Frage, ob da etwas fuer die Eheleute abfaellt, draengt sich wie von selbst auf.

Den Hinweis auf “Gwen” Garcia verwarf Gordon als unerheblich, die wolle was fuer ihren Wahlbezirk tun, das sei verstaendlich, aber Garins Ehegatte brachte ihn in’s Gruebeln. Er war sichtlich unentschieden, als er die Sitzung schlosz und liesz ausdruecklich offen, ob es eine Folgesitzung gibt. Er werde das mitteilen.

Dass der Ex-Praesident in gutem Glauben gehandelt hat, nimmt JojoRobles im “Manila Standard” ihm nicht ab, dem die Strategie “ich wollte nur Gutes tun, und keiner hat mir gesagt, dass es falsch ist” kaum gefaellt. Dagegen sprechen Hast und Ausnahme-Regelungen bei der Zulassung in FDA und DoH. Man fuehrt einen Impfstoff nicht bei Hundert-Tausenden ein, sondern bei ein paar Tausend, die man ueberwachen kann, bevor man in die Breite geht. Und dass ihm keiner was gesagt hat, sei auch sein Fehler: “Haette er nicht eine Kultur entwickelt, in der ihm niemand zu widersprechen wagte, als er Praesident war, dann haette Noynoy vom Widerstand zu seinem Dengvaxia-Programm hoeren koennen.

Kritik aufnehmen zu koennen, zeichnet gute Chefs aus, das gehoert dazu. Aber, meint Robles: “Aquino, trotz seiner vermeintlichen Herkunft von Ikonen der Demokratie, war wirklich die uebelste Sorte von Despot: die gedankenlose, gefuehlsslose und verantwortungsscheue Sorte.



Rosemarie Trajano… – …General-Sekretaerin der PAHRA (Philippine Alliance of Human Rights Advocates), ist eine von 15 Empfaengern eines Deutsch-Franzoesischen Preises fuer Menschenrechte und die Regeln des Gesetzes. In einer Presse-Mitteilung dazu heiszt es: “Es ist ihr Verdienst, das menschenrechtliche Engagement der Zivilgesellschaft auf den Philippinen – in einem zunehmend schwierigeren Umfeld fuer Menschenrechtsverteidiger – zusammenzufuehren. Die ausgebildete Krankenschwester setzt sich seit 1986 fuer den Schutz von Menschenrechten ein. Als Mitarbeiterin der Organisation ‘Medical Action Group’ wirkte sie bei der Dokumentation von Verstoeszen sowie bei der Gewaehrung medizinischer und psychosozialer Hilfe fuer Folteropfer und Familienangehoerige von Ermordeten und Verschleppten mit. Auszerdem setzt sie sich durch die Vermitllung von rechtlicher und psychosozialer Hilfe fuer die Belange philippinischer Arbeitsmigrantinnen und fuer die Opfer von Frauenhandel ein.

Trajano aeuszerte sich selbst dazu: “Die Komplexitaet unserer Situation hat HRDs (human rights defenders) in groeszere Gefahr gebracht, nicht nur durch tatsaechlichen physischen Schaden, sondern auch durch psychischen Stress von Social Media Trollen und Fanatikern der (Duterte-) Regierung.

Ich kannte Trajano und ihre Organisation nicht, was eher fuer als gegen sie spricht. Mir gefaellt, dass jemand einen Menschenrechts-Preis bekommt, der etwas dafuer tut. Dass Trajano auch unter dem Druck leidet, der gegen alle Menschenrechtler hier sich schleichend ausbreitet, hat sie Leila de Lima zu verdanken, die selbst als Justiz-Ministerin die Menschenrechte mit Fueszen trat, und mit ihren haltlosen Tiraden gegen den Praesidenten dafuer gesorgt hat, dass “fuer Menschenrecht” hier nach und nach als “gegen Duterte” verstanden wird. Das gefaellt nun mal nicht jedem.

Wo Elefanten kaempfen, leidet das Gras – sagt ein afrikanisches Sprichwort. Gilt auch hier.

Gemaesz “GMANews”, “CNNPhil”, “InterAksyon”, “ManilaBulletin”, “ManilaTimes”, “Inquirer”, “ManilaStandard” u.a.

 

Diskutiert wird darüber im DER PHILIPPINISCHE EXPAT KLUB, in der Gruppe POLITIK!

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

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