…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Monstag, den 04. Dezember 2017

 

Verantwortungsbewusstsein – In einem Interview mit “The Manila Times” draengt heute der Richter am Obersten Gericht Noel Tijam die Oberste Richterin Maria Lourdes Sereno vor dem Justiz-Ausschuss des Hauses zu erscheinen, der die Voruntersuchung zu ihrer Amtsenthebung durchfuehrt. Er sagte: “Das Amtsenthebungs-Verfahren ist ein verfasster Prozess und in der Verfassung verankertes Mandat. Richter legen einen Eid ab, die Verfassung zu verteidigen, zu bewahren und zu schuetzen. Wenn die Oberste Richterin Sereno weiterhin die Teilnahme am Amtsenthebungs-Verfahren missachtet und sich verweigert, ist sie daher offensichtlich verantwortlich fuer eine fahrlaessige Verletzung der Verfassung.



Richter Tijam selbst wird am 11. Dezember vor den Ausschuss kommen. Er sagt dazu: “Ich werde vor den Kongress treten, weil ich geladen wurde zu erscheinen, und ich respektiere den verfassten Prozess. Ich erscheine nicht, um gegen die Oberste Richterin auszusagen, sondern um Fragen des Kongresses zu beantworten. Ich will den Mitgliedern von Justiz und Rechtswesen zeigen, dass Richter am Obersten Gericht den Begriff oeffentlicher Verantwortung verstehen. Wenn das Oberste Gericht kuehn genug ist, Mitglieder von Justiz und Rechtswesen zu strafen, so sollten wir aehnlich kuehn sein uns Anklagen der Unangemessenheit zu stellen. Wir sollten uns einer Klage zur Amtsenthebung nicht verschlieszen.

Ich habe den Eindruck, dass Richter Tijam da grad das tut, was im Englischen mit “preaching to the converted” bezeichnet wird, und was man laut Woerterbuch mit “offene Tueren einrennen” uebersetzen kann. Das trifft aber nicht ganz das, was ich meine. Tijam werden all die zustimmen, die das auch so sehen. Das Problem ist, dass die Oberste Richterin Sereno das nicht so sieht, wie das bei verantwortungslosen Menschen oefter ist.

Verantwortungslosigkeit – In den letzten drei Monaten der Amtszeit von Benigno Aquino wurden 700 Tsd Schueler der 4. Klassen mit Dengvaxia gegen Dengue-Fieber geimpft, das von der WHO (World Health Organization) nicht zugelassen war. Unter Praesident Rodrigo Roa Duterte stoppte die damalige Gesundheits-Ministerin Paulyn Ubial das Impf-Programm eben wegen fehlender Freigabe. Am 29. November gab der Hersteller, der franzoesische Pharma-Konzern Sanofi eine Warnung heraus, weil sie gefunden hatten, wenn Dengvaxia “Personen geimpft wird, die noch nicht von Dengue befallen waren, so koennen sie eine weit schlimmere Infektion bekommen, wenn sie von dem natuerlichen Virus befallen werden.” Die meisten der 700 Tsd Kinder, die geimpft wurden, hatten kein Dengue zuvor. Sollten sie nun von der falschen Muecke gestochen werden, so geht es ihnen voraussehbar schlechter als ungeimpften Kindern, bis hin zu ihrem moeglichen Tod.

In seiner Kolumne in “The Manila Times” geht Rigoberto Tiglao heute der Frage nach, wie es dazu kommen konnte und fand Erstaunliches.

Wegen der fehlenden Zulassung zoegerte die damalige Gesundheits-Ministerin Janette Garin, MD (~ Dr. med), das Mittel einzusetzen, und auch ihre Mitarbeiter warnten davor. Der fruehere Praesident Aquino traf sich am 1. Dezember 2015 mit Sanofi in Paris, und tasg darauf starrte er, gemaesz Tiglao, in einer Sitzung Garin an und sagte: “Ich will das bitte rasch erledigt haben.” Sein Pressebuero liesz wissen: “Aquino hatte Dienstag ein Geschaefts-Treffen mit Offiziellen von Sanofi Pasteur zur Einfuehrung eines Dengue-Impfstoffes in den Philippinen, da der franzoesische Pharma-Konzern sich auf den Abschluss der klinischen Tests fuer den Impfstoff zubewegt…

…was eben heiszt, dass die klinischen Tests nicht abgeschlossen waren – aber schon verkauft fuer 3,5 Mrd Peso, was wieder zwei Aspekte hat.

Zum einen hatte Sanofi in 20 Jahren 1,5 Mrd Dollar in die Forschung investiert, aber nur fuer 20 Mio das Produkt verkaufen koennen. Der Deal mit Aquino ueber 3,5 Mrd Peso (~ 70 Mio Dollar) war ein Lebensretter fuer Sanofi, und Aquino traf auf die Firma 2015 in Paris nicht das erste Mal. Waehrend des APEC-Treffens in Peking, China, hatte er im November 2014 genuegend Zeit mit Sanofi-Vize Jean-Luc Lowinski “Sanofis Fortschritt in der Entwicklung eines Dengue-Impfstoffes fuer betroffene Staedte in den Philippinen” zu diskutieren, wie sein Pressebuero damals mitteilte.

Zum anderen hatte Aquino das Geld fuer den Deal nicht in seinem Etat. Senator Richard Gordon, der den verdaechtigen Kauf von Dengvaxia untersuchte: “Am 2. Dezember [2015] gab es ein Treffen in Paris; am 22. Dezember gab die Lebensmittel- und Drogen-Verwaltung den Impfstoff frei; am 29. Dezember wurde eine Zuweisung besonderer Mittel ueber 3,5 Mrd herausgegeben. … Der Kauf des Impfstoffes war nicht im Budget des Gesundheits-Ministeriums 2014, 2015, 2016 und auch nicht 2017. Sie forderten es nur im November 2015 ein. Das Budget-Ministerium fand das Geld indem es ‘Einsparungen’ bei Personalkosten deklarierte.

Tiglao findet: “Diese Korruption beim Dengue-Impfstoff ist nach dem krankmachenden Gelben Schema: Eine edle Sache wird benutzt, um Schiebung in monumentalem Ausmasz zu vertuschen. Dieser Fall, eben deshalb, koennte der Uebelste sein, weil er das Leben von 700 Tsd unserer meist armen Kinder riskiert.

Das Justiz-Ministerium hat eine Untersuchung des Handels angekuendigt, weil das Gesundheits-Ministerium damals ueber die moeglichen Gefahren wohl informiert gewesen war.



Realitaetsverlust – Die sich nun haeufenden Faelle von Angriffen der NPA (New People’s Army) gegen Polizei und Militaer sind Folge der Aufkuendigung der Friedensgespraeche mit den Kommunisten, die ich schon mal als “Kriegserklaerung” bezeichnet habe. Es fehlt nur noch, den ganzen CPP-NDF-NPA-Laden zur terroristischen Vereinigung zu erklaeren, was ich aber taeglich erwarte.

Ganz anders sieht das einer der Mitbegruender der CPP (Communist Party of the Philippines), Jose Maria “Joma” Sison von Utrecht aus: “[Duterte] kann die Linke nicht zu Staub zermahlen. … Der Vorteil der CPP ist, dass mehr als 90 Prozent ihrer Kader und Mitglieder dem Feind nicht bekannt sind. Um nur einen wahren Kommunisten zu toeten, muss der Feind 100 bis 1000 Nicht-Kommunisten toeten.

Ich glaube, “Joma” zieht sich jedesmal, wenn er eine “Mitteilung” herausgibt, erst einen Joint rein, und dann erklaert er den benebelten Zuhoerern, dass der Osten rot ist, oder so. Die Niederlande sollten Hasch verbieten, dann wird dort kein Ochsenkot mehr geredet.

Des einen Freud… – …des anderen Leid. Natuerlich freut es mich, wenn ich fuer meine Renten-Euro viel Peso kriege. Doch gemaesz SWS (Social Weather Station) fuehlen sich mehr Filipinos arm als zuvor. 10,9 Mio Filipinos fanden im September, dass sie arm sind, gegenueber 10,1 Mio im Juni.

Der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque: “Wir ordnen den Anstieg der Inflation zu, die im September 3,4 Prozent gemaesz Statistik-Behoerde betrug.” Dadurch sind die Lebensmittel-Preise gestiegen, was besonders die trifft, die sich nicht mehr als grad das leisten koennen.

Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaStandard”, “PhilStar”, “GMANews”, “ManilaBulletin” u.a.

 

Diskutiert wird darüber im DER PHILIPPINISCHE EXPAT KLUB, in der Gruppe POLITIK!

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.