Willkommen bei PHILIPPINEN MAGAZIN   Click to listen highlighted text! Willkommen bei PHILIPPINEN MAGAZIN

…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 17. November 2017

 

Der Westen und Asean – Gleich zwei Kolumnisten befassten sich gestern mit der unterschiedlichen Weltsicht westlicher und asiatischer Teilnehmer des ASEAN-Gipfels.

Jojo Robles stoeszt sich im “Manila Standard” an der Art, in welcher der kanadische Premier Justin Trudeau vor der Presse sein Ansprechen der Menschenrechte gegenueber Praesident Rodrigo Roa Duterte in den Vordergrund spielte. Robles zitiert dazu zwei Autoren, die bereits 2015 im “Foreign Policy Journal” feststellten: “Der Asean Weg bevorzugt vor allem einen von Uebereinstimmungen ausgehenden, konflikt-freien Weg Probleme anzusprechen. Ruhige Diplomatie erlaubt Asean Fuehrern miteinander zu reden, ohne die Diskussion in die Oeffentlichkeit zu tragen. Mitglieder vermeiden Beschaemungen, die zu weiteren Konflikten fuehren koennen.” Trudeau war sich dieser Umgangsformen kaum bewusst, nicht einmal des Benehmens als Gast in einem fremden Land. Duterte nickte im Gespraech mit Trudeau zu dessen Bemerkungen hoeflich. Seine Antwort gab Duterte spaeter am Abend bei seinem Presse-Treffen, von dem ich berichtet habe – es sei eine Beleidigung gewesen, seiner Person und des philippinischen Volkes.

Antonio Contreras geht in der “Manila Times” von den Kommentaren aus, die beim Gala-Dinner Dutertes Gesang auf Wunsch des US-Praesidenten Donald Trump ausloesten: “Seine lautstarken Kritiker hefteten ihm gleich das Etikett an, der kleine braune Affe zu sein, der tut, was der Fuehrer unserer frueheren Kolonialmacht ihm sagt.” Dahinter steckt nach Contreras eine als “Orientalismus” bezeichnete Weltsicht, in der westliche Kolonialherren die kolonialisierten Kulturen als die “minderwertigen Anderen” betrachteten, und, das ist das Fatale, dass diese Sicht von den Kolonialisierten dann auch noch uebernommen und das Treiben der Herren nachgeahmt wird. Doch Duterte hat sich davon eben nicht anstecken lassen, schreibt Contreras: “Praesident Duterte spielte nicht nach den Regeln der orientalistischen Weltsicht der internationalen Diplomatie. Er sang nicht, um Trump zu gefallen, sondern um ihm unsere Natur als Volk zu zeigen. Er widersteht dem Orientalismus, indem er nicht die Bestaetigung einer Welt sucht, die seinem Naturell als Praesident der Filipinos strukturell widerstrebt.



Und so steht Duterte ueber den Banalitaeten, an denen die westliche Presse sich hochzieht. Contreras bringt als Beispiel das Asean-Haende-Verbinden, bei dem Trump Schwierigkeiten hatte, mit seinen Nachbarn “ueber Kreuz zu kommen”, und die Bemerkung der neuseelaendischen Premier-Ministerin Jacinda Ardern zum Barong, den sie als “bloedes Hemd” abqualifizierte – die westliche Presse war voll davon.

Um mir selbst einen Eindruck zu verschaffen, habe ich gestern einige deutsche Medien aufgerufen und als Test “Asean” zur Artikel-Suche eingegeben. Die “Zeit” bietet an: “Menschenrechte zwischen Trump und Duterte kein Thema”; der “Spiegel” fragt: “Trump bei Duterte: Hat jemand Menschenrechte gesagt?”; die “Sueddeutsche Zeitung” sieht das alternativ: “Trump und Duterte betonen Bedeutung der Menschenrechte”; und die “Welt” offeriert eine Gebrauchsanweisung: “US-Praesident: Wie man Trump richtig manipuliert – in acht Schritten.

Ich hab keinen der Artikel gelesen. Die Differenz zwischen dem Westen und Asean war auch mit ungeschuetztem Auge zu erkennen.

Trudeaus oder Aquinos Muell? – In seiner heutigen Kolumne im “Manila Standard” weist Jojo Robles darauf hin, dass der kanadische Muell vor zwei Jahren bereits Gegenstand von Untersuchungen war, die von den Senatoren Ferdinand “Bongbong” Marcos und dem Abgeordneten Neri Colmenares angestrengt wurden. Die Untersuchungen wurden von den damaligen Liberalen Senats-Praesident Franklin Drilon und Sprecher des Hauses Feliciano Belmonte niedergemacht, weil – so die Quellen von Robles – die Anweisung dazu direkt aus Malacañang kam. Die Frage sollte unter den Staatsspitzen ohne den “Laerm von Untersuchungen des Kongresses” geregelt werden. Angeblich kam als Deal dabei raus, dass 500 philippinische Krankenschwestern eine Arbeitserlaubnis fuer Kanada bekamen, das dafuer den Muell nicht zuruecknehmen muss. Der Muell, der nach Angabe von Umwelt-Aktivisten gefaehrliche medizinische Dinge wie Erwachsenen-Binden und Einweg-Spritzen enthaelt, wurde teilweise schon auf einer Halde in Capas, Tarlac, entsorgt.

Robles meint: “Ich glaub es ist an der Zeit fuer die jetzige Regierung, diese stinkende Geschichte zu exhumieren und dem Muellhaufen auf den Grund zu gehen, den Aquino und seine Leute hinterlassen haben.



Die Ruhe ist truegerisch… – …die sich nach Marawi und ASEAN ueber das Land zu legen scheint. In Manila mag man nach dem groszen Stau aufatmen, da sich diese Schauspielerin, die ueber die fuer ASEAN abgesperrten Spuren geduest ist, gestellt hat und sich reuig zeigt – ihren Publicity-Erfolg hatte sie ja in Social Media schon abgefeiert.

In Mindanao sieht das anders aus. Die Aktionen der Armee gegen die NPA (New People’s Army) dauern an, nachdem nun 2 Polizei-Beamte in Surigao del Sur entfuehrt wurden. Es wurden zuvor 2 Polizisten und ein 4 Monate altes Kleinkind in Bukidnon ermordet, wobei sich NPA fuer den Tod des Kleinkindes entschuldigte und als “schmerzliches Geschehen, das nicht vorhergesehen” war bezeichnete. Erfolgreich sei dagegen die Aktion gegen die Polizisten gewesen.

Es wird Zeit, dass dieser Moerder-Bande, die sich als Staat im Staate geriert, das Handwerk gelegt wird. Der neue Kommandant von Ost-Mindanao, General-Leutnant Benjamin Madrigal, hat geschworen, die erpresserischen Aktivitaeten  der NPA anzugehen und bat um Unterstuetzung aus der Bevoelkerung, besonders von den indigenen Staemmen.

Ohne Information ist die Armee blind, wie in Marawi.



Meiner Meinung nach unwichtig… – …ist die Anzeige gegen Senator Antonio Trillanes wegen angeblicher Verschwoerung zu einem Staatsstreich. In einer Rede hatte Trillanes im Zusammenhang mit den von ihm selbst behaupteten Millionen-Konten des Praesidenten gezielt auf den gesagt: “Wenn die Soldaten dies sehen koennten, werden sie ihre M60-Maschinen-Gewehre gegen dich einsetzen. Das sind viele. Die Magazine werden geleert, wenn du nach den 40 Millionen Peso schaust, Mr. Duterte.

Das ist kein Aufruf zur Verschwoerung, das ist schlechte Rhetorik, die keinen Soldaten und auch keinen Richter ueberzeugt. Der Erstatter der Anzeige – ich erwaehne den Namen nicht, damit der Leser ihn nicht noch vergessen muss – der sich vermutlich bei Duterte Liebkind machen will, geht dem Praesidenten damit nicht nur auf den Keks, sondern verschafft dem Senator erst jene Popularitaet, die der ohne die Anzeige gar nicht bekommen haette: der Senat soll meist leer sein, wenn Trillanes an’s Pult tritt.

Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaStandard”, “ManilaBulletin” u.a.

 

Diskutiert wird darüber im DER PHILIPPINISCHE EXPAT KLUB, in der Gruppe POLITIK!

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Click to listen highlighted text!