…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 11. November 2017

 

Der doppelte Rody – Vorgestern habe ich anderthalb Reden von Praesident Rodrigo Roa Duterte im TV gesehen.

Die erste Rede sah ich leider ganz. Es war eine offizielle Rede zum APEC-Treffen in Vietnam, die Duterte sehr widerwillig vom Blatt ablas, aber – er musste wohl. Das Protokoll liesz ihm keine Wahl. Im Anschluss stellte ein Journalist eine Frage, die er zweimal wiederholen musste, bis Duterte verstanden hatte, was der eigentlich wollte. Journalisten haben mitunter einen Stil, weil sie nur eine Frage stellen duerfen, sich selbst und ihre eigene Meinung aber nicht unter den Tisch fallen lassen wollen, dass sie ihre Frage in eine global-politische Grundsatzrede verpacken, die mit einem Fragezeichen hinter der erschoepfenden Rede abschlieszt. Der Befragte hat dann das Problem, aus den Verschachtelungen dieses Bandwurmsatzes herauszuhoeren, was der Fragesteller eigentlich wissen will. Und so stand Duterte sichtlich verdattert da, bis er nach dreimal Zuhoeren die Frage herausgefiltert hatte und aus dem Stegreif etwas Allgemein-Unverbindliches dazu sagte. Was er in Rede und in Beantwortung dieser komplizierten Frage sagte, es drehte sich  um wirtschaftliche Zusammenarbeit, ist mir entfallen, kann daher nicht sehr wichtig gewesen sein.

In die zweite Rede bin ich so reingezappt. Ich hab gestern darueber kurz geschrieben, wichtig ist nur, dass es ein ganz anderer Duterte war, der da zu Filipinos sprach, als jener formelle Teilnehmer der APEC-Runde, der vom Blatt ablas. Duterte mag das Formale nicht, und er sieht dann auch immer so ein biszchen aus wie ein Junge im Konfirmations-Anzug, der froh ist, wenn er seinen Spruch aufgesagt hat und sich wieder hinsetzen darf.



Der eine Rody ist fuer’s Protokoll, der zweite Rody ist fuer seine Landeskinder, und die applaudieren – zum Unverstaendnis der restlichen Welt. Ich tue mich da auch schwer. Tagalog kann ich nicht, und Visayan nur ein biszchen, “gamay lang”, fuer den Hausgebrauch – meine Familie spricht Visayan. Ich bin auf Uebersetzungen der Zeitungen angewiesen, deren englischen Text ich mit meinem optischen Eindruck vom TV am Vortag verbinden kann.

Dieser zweite Rody hat am Donnerstag ein Radio-Interview gegeben, das ich nicht gehoert habe, dessen interessanten Teil ich nebst Uebersetzung aber in “The Philippine Star” gefunden habe. Es geht um die “revolutionaere Regierung”, die im Gespraech ist. Natuerlich mit Befuerchtungen der Opposition, dass jetzt die Diktatur endgueltig eingefuehrt wird, und mit dem Jubel der Duterte-Fans, dass nun richtig aufgeraeumt wird im Land, oder was auch immer die sich davon versprechen.

In dem Interview beantwortete Praesident Duterte die Frage, ob er weiter eine revolutionaere Regierung plant: “Wer wuerde so etwas schon ankuendigen? Das machst du einfach. … Muss man so ein Drama daraus machen?” Nun hatte Vize-Praesidentin Leni Robredo kuerzlich gesagt, das Militaer habe ihr versichert, dass es eine revolutionaere Regierung nicht unterstuetzen wuerde. Auf Robredo bezog sich Duterte dann im Weiteren: “Sie hat Recht. Ich hab das Militaer gefragt. Die haben gesagt: ’Wir werden eine revolutionaere Regierung nicht unterstuetzen’ Ich fragte: ‘Warum?’ Sie sagten: ‘Weil Vize-Praesidentin Robredo uns gesagt hat, das nicht zu unterstuetzen.’ ‘Oh, warum?’ Sie sagten: ‘Wir koennen sie besser leiden. Sie ist eine Frau und flucht nicht.’ Ich: ‘In Ordnung, wir machen keine revolutionaere Regierung mehr.’ Sie hat Recht.

Vor diesem Hintergrund des doppelten Rody kann nun die heutige Schlagzeile der “Manila Times” verstanden werden: “2 US lawmakers to be barred from PH ~ 2 US-Gesetzgeber sollen von den Philippinen ausgeschlossen werden”. Dieses “to be ~ sollen” zeigt deutlich an, dass da noch nichts passiert ist. Jemand moechte etwas. Wer? Duterte. Warum? Zwei US-Abgeordnete haben US-Praesident Donald Trump aufgefordert, gegenueber Praesident Duterte die starken Bedenken der USA zu den auszergerichtlichen Toetungen im Umfeld des Drogen-Krieges der philippinischen Regierung klar zu machen. Was will Duterte? “Und ich wuesste gern ihre Namen, weil ich sie auf die Liste derer setzen kann, die von der Einreise ausgeschlossen sind (immigration barred list). Echt. Oder ich werde protestieren, wenn das das Aeuszerste ist, was ich tun kann.

Man sollte die Schlagzeile behutsam aufnehmen. Noch ist gar nichts passiert. Duterte weisz selbst offenbar nicht, wie weit er da gehen kann, und er haelt sich nun mal an das Gesetz.  Und erst recht weisz kein Mensch, ob die zwei besorgten US-Abgeordneten ueberhaupt die Absicht hatten hierher zu kommen, wo hier doch der Drogen-Krieg tobt. Oder gehoeren die auch zu so irgendeinem obskuren Verein, der die “politische Gefangene” Senatorin Leila de Lima in der Haft besuchen und ihre Freilassung fordern will?



Hierzu sollte man dann auch wissen, dass Duterte eine Diskussion der Weltfuehrer im Auge hat, wie man das Volk gegen Menschenrechtsverletzungen schuetzen kann. Laut “PTV” sagte er in Vietnam vor der Presse: “Wir sollten einen Gipfel ausschlieszlich zu Menschenrechten haben. Aber wir sollten alle einladen.” Er zitierte Faelle von Verletzungen der Menschenrechte wie Bombardierungen, bei denen Kinder und Schulen betroffen waren. “Also lasst uns einen Gipfel veranstalten, wie wir die Menschenrechte fuer die menschliche Rasse schuetzen koennen. … Lasst uns alle Verletzungen der Menschenrechte von allen Regierungen untersuchen.

Er ist schon ein Schlitzohr, denn er weisz, dass die US-Regierung da nie mitspielen wuerde. Die USA lassen niemanden ueber sich zu Gericht sitzen, weshalb sie auch, ich erwaehnte es gestern, dem Seerechts-Abkommen und dem Internationalen Strafgerichtshof nicht beigetreten sind. Alle Nationen sind gleich, nur die USA sind gleicher – laesst sich der bekannte Spruch aus George Orwells “Farm der Tiere” abwandeln.

Und genau das ist wieder so ein Punkt, der den Stolz des “Vaters der Filipinos” verletzt. Das laesst er nicht auf sich sitzen, und so kommt die Spitze zurueck.

Mithin: diesen Menschenrechts-Gipfel wird es nicht geben, und ob wir von den besorgten Abgeordneten noch einmal hoeren werden, wage ich zu bezweifeln. Worueber Duterte und Trump in Manila reden werden, werden die beiden unter sich ausmachen, und hinterher werden wir zwei Versionen darueber hoeren oder lesen, was sie da gesagt haben. Eine Version fuer die amerikanische Presse, vermutlich per Twitter, die jetzt ja auch laengere Erguesse unterstuetzen, und eine Version fuer die Filipinos, und die werden sich wieder koestlich amuesieren und applaudieren, wenn Vaeterchen Rody sie unterhaelt. Das ist sein Publikum, da kann er sich an die Rampe spielen und die Sau rauslassen.

Der Rest der Welt bleibt bei seiner Meinung von vorgestern, weil sie Trump nicht glauben und Duterte nicht verstehen.

Gemaesz “PTV”, “GMANews”, “ManilaTimes”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.