…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

VON HEIKO ECKARD

Montag, den 23. Oktober 2017 

 

Noch ein Haus… – …dann ist die Marawi-Krise vorbei, und Oberst Romeo Brawner meinte gestern, dass die AFP (Armed Forces of the Philippines) das bis Mitternacht schafft. Scheint doch laenger zu dauern, denn heut frueh fand ich noch keine Erfolgsmeldung im Netz. Immerhin befinden sich keine Geiseln mehr in der Hand der Terroristen, und dort kaempft nun offenbar auch der Tross mit – die mitgebrachten Braeute der Terroristen.

Die Meldung ist auch in Hongkong (“South China Morning Post”) und Singapur (“The Straits Times”) zu lesen. Der Leitartikel des “Manila Bulletin” befasst sich dagegen schon mit dem naechsten Gegner der AFP, der NPA (New People’s Army), dem bewaffneten Zweig der Kommunisten, die seit ihrer Gruendung 1969, also seit 48 Jahren einen “Volkskrieg” gegen die jeweilige Regierung fuehren, und die immer noch nicht gemerkt haben, dass das Volk davon nichts wissen will. Dumm geboren, nichts dazu gelernt. Stabschef General Eduardo Año kuendigt an, dass die in Marawi eingesetzten Truppen im oestlichen Mindanao eingesetzt werden, in “abgelegenen Gebieten, die von NPA verseucht sein sollen.

Das Volk im westlichen Mindanao leidet derzeit mehr unter dem Wetter. Durch Ueberflutungen und Erdrutsche nach endlosen Regenfaellen sind auf der Zamboanga Halbinsel 15 Menschen ums Leben gekommen.

Gegen den Besuch der IPU… – …spricht sich der Leitartikel der “Manila Times” aus. Die Interparlamentarische Union will Beobachter zum zu erwartenden Prozess gegen Senatorin Leila de Lima schicken, welchem Ansinnen Senatspraesident Aquilino “Koko” Pimentel zugestimmt hat. Ich schrieb vorgestern darueber.

Der Leitartikler haelt dagegen, dass durch die schon vorab geaeuszerte Meinung, dass es keine Beweise gaebe und de Lima sofort aus der Haft zu entlassen sei, die IPU sich unzulaessig in die inneren Angelegenheiten der Philippinen einmischt. Das koenne man einer privaten Vereinigung von Parlamentariern nicht gestatten, und man solle ihnen einfach die Einreise verweigern, “weil der Hauptzweck sei, Propaganda gegen unsere Regierung zu machen.

Der Leitartikler wundert sich darueber, dass die IPU, die es immerhin seit 1889 gibt, sich nicht zu Wort gemeldet hat, als Corazon Aquino 1986 den vom Volk gewaehlten Kongress ausfloeste. Die IPU ruehrte sich nicht, als Benigno Aquino die Ex-Praesidentin Gloria Macapagal-Arroyo ins Gefaengnis werfen und den Obersten Richter Renato Corona aus dem Amt jagen liesz – alles unter der Justiz-Ministerin Leila de Lima, die aktiv dazu beitrug (with the active participation of de Lima).

De Lima soll durch Druck der internationalen Meinung freigepresst werden, sieht der Leitartikler, und das gefaellt ihm nicht: “Wir wollen sehen, dass der Prozess gegen Senatorin de Lima stattfindet, so dass sie ihren Gerichtstag bekommt und ihr da Recht geschieht. Wir wollen sehen, wie das Justiz-Ministerium die Vorwuerfe gegen sie beweist. Und wir wollen sehen, wie die Senatorin ihre Freiheit gewinnt, durch eigene Verteidigung und eigenes Recht.



Familienangelegenheiten – Die Buergermeisterin von Davao, Sara Duterte, wird heute im Marquis Events Place in Bonifacio Global City, Taguig, Metro Manila, um 10 Uhr vormittags die “Tapang at Malasakit – Allianz fuer die Philippinen” als Koalition gegen Destabilisierungs-Versuche gegen die Regierung ihres Vaters Praesident Rodrigo Roa Duterte ins Leben rufen. Die “Tapang at Malasakit ~ Mut und Anteilnahme” ist offensichtlich eine Gegenbewegung zu der vor einem Monat von der Opposition aus der Taufe gehobenen “Tindig Pilipinas ~ Haltung der Philippinen”, die nicht richtig Haltung gewinnt, und man muss abwarten, ob “Tapang at Malasakit” besser aus den Startloechern kommt.

Interessant daran ist, dass Sara Duterte sich so in den Vordergrund draengt. Zwar hat Duterte mal gesagt, dass er sich seine Tochter als Nachfolgerin vorstellen koenne, doch das war wohl mal wieder so ein Versuchsballon. Als Kritik laut wurde, man hat hier sogar ein Gesetz gegen Dynastien-Bildung in der Politik, tat Duterte das als Witz ab. Er hat das drauf, auch damals, im Flugzeug zurueck aus Japan, als “Gott zu ihm gesprochen” hat. Ein Witz fuer die Journalisten meinte er spaeter, als Leute ernsthaft darueber nachzudenken begannen.

Das mit Sara ist anders.

Sie war es, die dem liberalen Erzbischof Socrates Villegas mit Wucht ueber das Maul fuhr, als der Anfang des Jahres einen fiktiven Brief schrieb an den 2005 verstorbenen Kardinal Jaime Lachica Sin – Adresse vermutlich im Himmel – der bei EDSA (Epifanio de los Santos Avenue) eine Rolle spielte, als er sich hinter Corazon Aquino stellte. Nach Villegas’ Meinung war die Erinnerung an die EDSA-Revolution durch das Blut des Drogenkrieges befleckt worden. Sara Duterte schrieb dem Erzbischof: “Aber du bist wirklich, irrsinnig und zutiefst schlechter als hundert Praesidenten Duterte”.

Bei der Gelegenheit faellt mir grad auf, dass Rigoberto Tiglao in seiner heutigen Kolumne in “The Manila Times” darauf hinweist, dass der “Inquirer”, diese liberale Hauspostille, der durch das “Bild des Drogenkrieges” und “Thou shalt not kill”, ich schrieb gestern darueber, massiv gegen Duterte anging, dieser “Inquirer” meldet in seiner Online-Ausgabe gar nicht, in der Druck-Ausgabe nur sehr versteckt im Mittelteil, dass der tatsaechliche Moerder von Michael Siaron gefunden ist. Tja, fuer eine Richtigstellung braucht es Rueckgrat, und das hat nicht jeder. Aber eine Zeitung ist ja auch kein Wirbeltier.

Bleiben wir bei Sara Duterte.

In Artikeln von unterschiedlicher Glaubwuerdigkeit, denen ich nicht im Einzelnen nachgehen will, war von einer sehr schlagkraeftigen Frau die Rede, sie soll einem Sherrif ein paar geknallt haben, weil der bei einer Veranstaltung nicht auf sie gewartet hatte. Eine Schwester des Praesidenten sagte, dass zwischen ihrem Bruder und seiner Tochter bei Diskussionen schon oefter die Fetzen flogen, was immer das auch heiszen mag. Ich stelle mir aber bei Wut und Wortschatz des Praesidenten vor, wenn es um seine Lieblingsthemen geht, dass das kein gelassen akademischer Gedankenaustausch war. Sara Duterte soll auch nur unwillig die Nachfolge ihres Vaters im Amt des Buergermeisters von Davao uebernommen haben, usw usw. Alles, was das Naehkaestchen so hergibt.

Ich hab nicht den geringsten Schimmer, was bei “Mut und Anteilnahme” herauskommt.

Warten wir’s ab.

Gemaesz “SouthChinaMorningPost”, “StraitsTimes”, “ManilaBulletin”, “ManilaTimes” u.a.

 

 

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.