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…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 19. Oktober 2017 

 

Wer sagt denn, dass Juristen langsam sind… – …in den Philippinen? Den beim “Hazing” von ihnen totgepruegelten Horacio “Atio” Castillo hatten sie am 17. September grad im Krankenhaus deponiert, da saszen die Nachwuchs-Juristen der Aegis Iuris-Bruderschaft mit den Alten Herren schon im Novotel in Quezon City beisammen und berieten, wie man die Sache vertuschen (cover up) und unter den Teppich kehren koennte – wie Superintendent Joel Napoleon Coronel, Chef des Manila Police District, gestern im Senat ausfuehrte.

Mehrere TV-Stationen sendeten die von Senator Panfilo Lacson geleitete Untersuchung live, ein Lehrstueck professioneller Verantwortungslosigkeit. Der Praesident der Bruderschaft, Arvin Balag, wollte nicht einmal die Frage nach seiner Mitgliedschaft bei Aegis Iuris beantworten, und ob er deren Praesident sei. Er berief sich auf sein Recht nicht gegen sich selbst aussagen zu muessen (invoked his right against self-incrimination), und zeigte sich derart unwillig und maulfaul, dass er auf Antrag der Senatorin Grace Poe in Haft genommen wurde. Spaeter versuchte er das weichzureden ohne etwas zur Sache beizutragen, und wollte zum Schluss noch zu Wort kommen, doch da hatte Senator Lacson die Sitzung bereits geschlossen. Balag wird sich in Haft ueberlegen koennen, ob er bei Fortsetzung der Untersuchung naechste Woche den Mund aufmachen will.



Nach Aussage des John Paul Solano, der von der Bruderschaft zu Hilfe gerufen wurde als Castillo kollabierte, war Balag bei dem “Hazing” dabei. Solano nannte auch fuenf weitere Mitglieder, die er dort antraf.

Der Eltern des getoeteten Castillo waren bei der Untersuchung anwesend, und der Vater bedauerte danach die Mitglieder der Bruderschaft: “Klar, man hat Mitleid mit ihnen, denn ihr Leben ist vorbei. Glaubt ihr, dass die noch Anwaelte werden? Das werden keine Anwaelte mehr, sie haben ihr Leben hinter sich. Wuerdet ihr sie als Anwaelte engagieren, wo ihr wisst was sie getan haben?

Keine gute Figur machte auch der Dekan der Fakultaet fuer Zivilrecht an der Universitaet von Santo Tomas, Nilo Divina, als Senatorin Poe ihn fragte, ob er nach diesem Vorfall sein Amt als Dekan nicht haette niederlegen sollen.

Das sah der Dekan ganz anders: “Ich habe darueber nachgedacht. [Doch] das Interesse der Studenten ist von hoechster Wichtigkeit.” Mich erinnert das fatal an den Noch-Vorsitzenden der Wahlkommission Andres Bautista, der, nachdem er lange genug geschubst wurde, nun zuruecktritt – aber erst zum Jahresende, um Praesident Rodrigo Roa Duterte genuegend Zeit zu geben, einen Nachfolger zu finden und einzuweisen.

Wie selbstlos die alle sind!

Hier passt kaum variiert der Kommentar, den Betsy Tiglao neulich zu Bautista abgab. Sie stellte fest: “Aber so sind die Philippinen. Viele hier haben eine Haut dicker als ein Bueffel, und Scham ist grad eine Gegen-Tugend in derselben Liga wie Scheinheiligkeit. Ist der Comelec {Dekan}-Posten derart wichtig fuer Bautista {Divina} … dass er um’s Verrecken daran festhaelt?

Tja, Bautista war wie Divina auch mal Dekan, am Institute of Law der Far Eastern University in Manila. Postenklebe scheint da dazu zu gehoeren.

Von dem Jeepney-Streik… – …habe ich nicht viel mitbekommen. Mag sein, weil ich nicht in Manila wohne und nicht taeglich ins Buero muss, ist das an mir vorbeigegangen. Doch Jojo Robles erinnert mich in seiner Kolumne im “Manila Standard” an eine Unterscheidung, die man beachten sollte: wer streikt da – der Fahrer oder der Besitzer?

Fahrer, die taeglich “Boundary” an den Besitzer zahlen und sich strecken muessen, dass sie die zusammenkriegen und noch etwas mehr fuer Sprit und sich selbst, koennen sich ein neues Auto nicht leisten. Es hat ja nicht mal fuer so eine alte Kiste gereicht, die sie sich nun “gegen ein geringes Entgelt” leihen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Bei den Besitzern sieht das womoeglich ganz anders aus, wenn man Robles’ Beispiel nimmt. Ein ehemaliger Bank-Angestellter in Rente, der neben seinem Wohnhaus noch ein paar Haeuser zur Miete laesst, zwei Jeepneys hat und einen davon aus nostalgischen Gruenden selbst faehrt. Ich glaube nicht, dass den der Modernisierungs-Beschluss besonders hart trifft.

Auf der anderen Seite habe ich von Praesident Rodrigo Roa Duterte aber auch im Ohr, als es um Industrialisierung und Umweltschutz ging, dass er internationale Ansprueche in die Schranken wies mit den Worten, dass die Philippinen erstmal aufholen muessen, um auf den Stand der Industrie-Nationen zu kommen.

Wer soll hier nun Vorreiter in Sachen Umwelt sein – der Fahrer oder der Besitzer? Ich weisz nicht, wie da die Relation ist. Ich habe nur im TV gesehen, dass einige Jeepneys gefahren sind, weil die Fahrer nach eigener Aussage “Geld verdienen muessen.” Das scheinen die zu sein, die sich die Modernisierung nicht leisten koennen.

Gestreikt haben die anderen.

Gemaesz “CNNPhil”, “GMANews”, “DZRHNews”, “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “InterAksyon”, “Rappler”, “Wikipedia”, “ManilaStandard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht. 

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